Life at 30: Von Putzfrust & Putzlust – Die Sache mit dem Putzen

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„Also das erste, das ich habe, wenn wir beide viel arbeiten, ist eine Putzkraft.“ Warum ich das wieder zurückgenommen habe? Von Putzfrust & Putzlust.

Es war die absolute Neverending-Story. Die Suche nach einer Putzkraft. Und die endete damit, dass ich jetzt einfach wieder selbst putze. Aber von Anfang an.

Für mich seit Jahren der größte Luxus: eine Putzkraft. Jemand der die Wohnung tip top hält, während wir mehr Zeit für die Arbeit und für eine Work-Life-Balance haben. Bei einer über 100qm-Wohnung dauert mein „normales“ Putzen alle zwei Wochen nämlich solide drei Stunden – mindestens.

Eine gute Putzkraft? Da findet man ja leichter einen Kita-Platz in Hamburg…

Eine angemeldete, gute Putzkraft in Hamburg zu finden? Ungefähr genau so schwierig wie einen Kita-Platz. Also werden Online-Vermittlungs-Portale recherchiert. Bin schließlich Online-Redakteurin. Eine Zeit lang haben wir es dann mit Helpling versucht. Schon in unserer alten Wohnung. Mal ganz okay, mal putzte jemand unsere gesamten Fensterscheiben mit Schimmelreiniger. Ich brauchte zwei Stunden, um die Schlieren wegzubekommen. Zwei Tage, um den Chlorgestank aus der Wohnung zu kriegen. Und täuscht Euch nicht: Ich hatte den Schimmelreiniger sogar extra versteckt und die Putzmittel einzeln vor den Herren gestellt und gesagt, was ich für welche Stelle der Wohnung benutze. Nach diesem und ein paar weiteren kleineren Reinfällen, hatten wir genug. Es musste eine neue Lösung her.

Neues Portal, neues Glück. Maideasy. Richtig teuer. Und damit meine ich richtig teuer. Aber wir versuchen es. Und ich bin positiv überrascht vom Ergebnis. Viel besser als Helpling. Kostete aber ein kleines Vermögen. Selbst, wenn wir nur den 2-Wochen-Rhythmus nehmen. Und immer wieder hatte ich trotzdem etwas zu bemängeln. Dabei bin ich nicht penibler als andere. Aber den Duschabfluss sauber zu machen – das gehört bei mir dann schon dazu.

Also wieder im Bekanntenkreis und auf Social Media herumfragen. Ist ein bisschen so, wie man es manchmal als Single über Männer sagt. Die Guten sind irgendwie alle schon vergeben. Und zwar so fest, dass man meinen könnte, alle sind mit ihrer Putzkraft verheiratet und ein „Weiterempfehlen“ kommt einem Seitensprung gleich.

Die ständige Suche war mir dann irgendwann einfach zu blöd. Also selbst putzen

Gut, dann eben den Luxus-Gedanken beiseite schieben. Nervt nämlich ziemlich, wenn man das Geld gefühlt aus dem Fenster wirft, weil man für das richtige Ergebnis dann doch wieder selbst Hand… ähm… Lappen anlegen muss. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr und beschloss der Putzkraft-Suche ein Ende zu machen.

Und ja Ihr könnt jetzt mit diesem ganzen Cleaning like Marie Kondo Zeug kommen. Jeden Tag in einem anderen Zimmer Staub putzen, statt Putzmarathon zum Wochenende. Aber ganz ehrlich, wenn ich gerade dabei bin, dann putze ich auch die zweite Toilette. Und wenn ich ohnehin den Staubsauger in die Hand nehme, dann sauge ich auch die gesamte Wohnung. Nur mit meinem Freitagabend Timing, da habe ich mir immer selbst ein Bein gestellt.

Von Putzfrust…

Meine Stimmung nämlich, wenn Jens dann nach Hause kam, nachdem ich drei Stunden wie eine Wilde nach meiner anstrengenden Arbeitswoche (ja auch wenn man Home Office macht, heißt das, man arbeitet so viel wie im Büro) geputzt habe? Mies. So richtig mies, wenn ich kurz bevor er kam noch gestaubsaugt habe. Mit Treppen in der Wohnung ist der Staubsauger zum Hinterherziehen der absolute Endgegner. Hoch zehn. Aber: Es gibt ein Licht am Ende des Staubsauger-Tunnels. Mama hat sich einen fancy Staubsauger gekauft, der gleichzeitig auch wischt (fragt mich nicht wie das geht) und ich bekomme beim nächsten Hamburg-Besuch ihren alten (Staubsauger. Nicht meinen Dad.). Und der ist tausend Mal leichter als unser jetziger.

Was mich auch manchmal wütend gemacht hat? Dass ich mein Ergebnis immer stolz präsentieren wollte. Der Mann sich dadurch aber angegriffen fühlte, als würde ich sagen, warum er das nicht gemacht hat. Goldene Eheregel? Auch mal übers Putzen reden. Ich darf jetzt präsentieren, ohne dass es als Schuldzuweisung gesehen wird. Und er versteht, dass wenn ich warte, bis er selbst merkt, dass geputzt wurde, es für mich auch mal zu lange dauern kann…

Und da gibt es ja aber auch die Putzlust…

Abgesehen davon, dass wir einen Haufen Geld sparen, weil ich selbst putze… Irgendwie hat Putzen doch auch etwas befreiendes. Das Radio richtig aufgedreht mal so richtig loslegen. Und danach ein gutes Gefühl zu haben, dass man alles geschafft hat und alles blitzt und blinkt.

Außerdem war es mir manchmal tatsächlich unangenehm, im Home Office am Computer zu sitzen, während unten jemand meine Küche putzt. Klar, es ist ein Job wie jeder andere. Aber irgendwie fühlte ich mich doch komisch dabei.

Beim „Selbst-Putzen“ jetzt die Lösung gegen meinen Putzfrust? Nicht auf Freitagabend warten. Einfach wenn es an einem anderen Tag gerade passt (und das ist meist ja wirklich nicht der Freitagabend nach einer anstrengenden Arbeitswoche). Ist ja keine Banküberweisung, die wöchentlich zur selben Zeit getätigt werden muss. Irgendwie bin ich es aber immer genau so angegangen. Diese Woche habe ich mittwochs bei über 30 Grad geputzt. Ganz ohne Frust. Das Workout an dem Tag konnte ich mir dann übrigens auch gleich schenken und mit einem Eis (nach einer ausgiebigen Dusche) den Putzmarathon feiern.

Jetzt habe ich 800 Wörter übers Putzen geschrieben. Also entweder denkt Ihr jetzt (wie wahrscheinlich so oft): Die ist doch total bekloppt oder ich bekomme wieder ganz viele „Kann ich so gut nachvollziehen“ Nachrichten. Beides gerechtfertigt, über letzteres freue ich mich natürlich wieder riesig.

Bild: Unsplash.com


2 Kommentare

  • Name*putzfee

    26. Juli 2019 at 15:42

    Hallo liebe Sue,

    ich lese deinen Block sehr gerne, aber ein hat mich jetzt doch sehr verwundert. Du bist eine junge, moderne (Ehe-)Frau, aber warum putzt du alleine? Ich dachte dein Mann wohnt auch in dieser Wohnung. Ich finde es heute einfach nicht mehr zeitgemäß, dass sich Frauen so unter den Scheffel stellen.
    Warum teilt ihr euch die Arbeit nicht? Ich finde, dass wie vor 50 Jahren, wenn nur die Frau den Haushalt macht…
    Du trägst doch auch zu eurem Lebensunterhalt bei?!? Und eure Jobs sind gleich viel wert.
    Traut den Männern ruhig was zu. Die machen es vielleicht anders, aber das muss man den hinnehmen.
    Mein Kommentar nicht wirklich nicht böse gemeint – es soll nur ein Denkanstoß sein.

    Antworten

  • Susan Fengler

    29. Juli 2019 at 09:54

    Hallo liebe Putzfee, Danke Dir für Deinen Kommentar. Natürlich ist es absolut zeitgemäß sich alles aufzuteilen und mein Mann hilft natürlich an anderen Stellen im Haushalt mit. Allerdings arbeite ich von Zuhause und kann mir meine Zeit selbst einteilen, er kommt abends um acht frühestens nach Hause und auch aus egoistischen Gründen, will ich nicht den halben Tag gemeinsam mit putzen verbringen, wenn wir dann ein freies Wochenende haben. Liebe Grüße, Sue

    Antworten

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