Life at 30: „Kannst Du noch mal kurz…?”

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Die Frage kennst Du oder? Und weil Du jemanden nicht vor den Kopf stoßen willst, ist die Antwort (viel zu!) oft: „Ja, okay.”

Vielleicht haben wir früher alle viel zu viele Hollywood-Komödien gesehen. Aber vor ein paar Jahren erkannte ich für mich, dass dieses „Everybody’s Darling” zu sein für mich nicht das Ziel sein kann. Und dass es auch viel zu anstrengend ist. Auch wenn es sich im ersten Moment als „der einfachere Weg” anfühlt.

Früher war es mir sehr wichtig, anderen zu gefallen. Nicht in dem Sinne möglichst „beliebt” (à la bekannt) zu sein. Aber es gab mir ein gutes Gefühl, wenn andere mit mir zufrieden waren. Ist ja auch ganz natürlich. Besonders wir Frauen bekommen ja schon von klein auf in der Gesellschaft beigebracht, dass „nett” und „brav” zu sein Tugenden sind. Nicht anecken. Keine Wiederworte. Nicht „zickig” sein.

Ich ließ die Kommilitonin an der Uni bei mir abschreiben, bis ich selbst, weil ich dadurch so abgelenkt war, in einer Klausur eine schlechtere Note bekam als sie. Nein sagen? Kam mir gar nicht in den Sinn. Dann durchlief ich unbezahlte Praktika in Redaktionen und war als „ganz unten in der Hierarchie” natürlich immer sehr darauf bedacht, dass alle zufrieden mit mir waren.

„Kannst Du noch mal kurz…?”

An sich ist natürlich ganz und gar nichts verkehrt daran, ein netter und hilfsbereiter Mensch zu sein. Aber es ist auch nicht verkehrt, für sich selbst einzustehen. Und das ist eben nicht egoistisch im negativen Sinne, sondern so wichtig für uns.

Im Job lernen wir oft auf die harte Schiene (besonders als Frauen), dass nur, weil wir die höchste Arbeitsbelastung haben, nicht automatisch die Gehaltserhöhung oder die Beförderung auf uns wartet.

Ganz im Gegenteil. Das „Kannst Du noch mal kurz…?” im Job sorgt meist nur dafür, dass wir uns in kleinteiligen, arbeitsaufwändigen Aufgaben verlieren. Während andere die Luft haben kreativ zu werden und im Meeting mit einer tollen Idee punkten. Während Du vielleicht bis 22 Uhr am Schreibtisch saßt und die Unterlagen geordnet hast.

Aber natürlich gibt es das „Kannst Du noch mal kurz…?” nicht nur beruflich. Ich denke da auch an diese kleinen Alltagsaufgaben und Erledigungen. Kannst Du die Kids von der Kita abholen? Kannst Du die Sachen von der Reinigung holen? Kannst Du Dich um dies und jenes kümmern? Wenn das immer nur auf eine Person fällt, dann fressen diese vielen, vielen scheinbaren „Kleinigkeiten” auf einmal ganz schön viel Zeit. Und der Mental Load wird immer und immer größer (hier habe ich darüber schon geschrieben).

Warum eigene Grenzen so wichtig sind?

Auch im Stressmanagement-Coaching, Life at 30 Mentoring (und im Herbst auch in den Retreats) geht es so häufig ums „Nein sagen”. Darum Grenzen zu setzen. Und es auszuhalten, dass wir nicht ständig alle anderen glücklich machen.

Ich schreibe bewusst „aushalten”. Denn oft lassen wir uns mal eben noch eine Aufgabe extra aufdrücken. Übernehmen etwas, obwohl wir eigentlich gar keine Zeit haben oder etwas anderes mit unserer Zeit vor hatten. Weil wir andere nicht vor den Kopf stoßen wollen. Da müssen wir es aushalten, dieses nicht so gute Gefühl, das sich einstellt, wenn die anderen nicht hundertprozentig zufrieden mit uns sind. Wenn wir eben nicht „Everybody’s Darling” sind.

Die gute Nachricht: Das Aushalten wird mit jedem Mal einfacher. Auch weil Du merkst, wie wichtig es ist, für Dich selbst einzustehen.

Du bist nicht auf der Welt, um es allen anderen recht zu machen. Es geht nicht immer nur „erst um die anderen und dann um Dich”. Das ist nicht egoistisch, sondern ganz à la „Sauerstoffmaske im Flugzeug” einfach verdammt wichtig, sich selbst zu priorisieren. Danach erst alle anderen…

Wie ich in meinem eBook schon geschrieben habe, „es geht nicht darum, der egoistischste Mensch der Welt zu werden”. Aber sich für andere aufopfern und dabei die eigenen Bedürfnisse immer nur hintenan stellen. Das ist auf jeden Fall auch nicht die Lösung. Dann sind nämlich vielleicht alle anderen glücklich, aber nicht Du selbst.

Bild: Sophie Wolter


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