Life at 30: Vom Hundertsten ins Tausendste

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Eigentlich. Ja, eigentlich wollte ich nur kurz die Spülmaschine ausräumen. Und zack, da komme ich vom Hundertsten ins Tausendste. Kennst du das?

Nur ganz kurz die Spülmaschine ausräumen, bevor ich mich wieder an den Schreibtisch setze. Naja, okay auch wieder einräumen (steht ja schließlich alles in der Küche rum). Geht ja schnell. Oh, unter dem Geschirr sieht die Küchenarbeitsplatte aber schmutzig aus. Kurz mal drüber wischen. Wenn ich eh gerade den Lappen in der Hand habe, dann schnell noch den Esszimmertisch abwischen. Schließlich gab’s heute Morgen Brötchen und die krümeln immer so. Was macht das Olivenöl von gestern Abend denn noch auf dem Tisch? Nehme ich mit in die Küche. Und die Teetasse, die noch neben dem Sofa steht auch. Wieso ist eigentlich nie die Decke schön auf dem Sofa zusammengelegt? Mach ich gleich. Aber erst in die Küche zurück….

So oft kommen wir vom Hundertsten ins Tausendste

Diese Redewendung hat meine Mutter früher benutzt, wenn es um Telefongespräche mit Freundinnen ging. Und ich finde sie passt auch hier so gut.

Ich liebe es, wenn die Wohnung aufgeräumt ist und alles zumindest grob „gut aussieht”. Die Küche immer „fertig” zu haben, das hat mich allerdings oft gestresst. Deswegen fordere ich meinen Sauberkeitsdrang heute oft selbst heraus, indem ich einfach alles stehen lasse und erst einmal die Tür schließe. (Ging in der alten Wohnung wegen Küche im Wohnzimmer nie.) War am Anfang schwer, jetzt kann ich auch gut mal etwas stehen lassen. Und bin als Perfektionistin stolz auf mich.

Das könnte jetzt eine Kolumne übers Prokrastinieren werden. Weil du dich bestimmt noch gut daran erinnerst, wie du zu Schul- oder Unizeiten auf einmal 1000 Dinge gefunden hast, die wichtiger sind oder die man machen könnte, wenn eigentlich gerade Lernen anstand.

Darauf will ich aber hier im Life at 30 gerade nicht raus. Es geht nicht darum, dass ich mich durch diese „Kette-an-To-Dos” davor drücke, mich an den Schreibtisch zu setzen und meine Arbeit zu machen.

Ich will diese tausend kleinen Aufgaben „highlighten”, die es im Leben als Erwachsene gibt und die auch eins kosten: Zeit. Okay und zweitens: Aufmerksamkeit.

Eine Kollegin, die auch im Home-Office arbeitet, hatte mal richtig Streit mit ihrem Partner. Weil sie ja von zu Hause aus arbeitete, verstand er nicht, warum sie zumindest zwei Mal im Monat eine Putzkraft engagieren wollte. „Aber du bist doch den ganzen Tag zu Hause, da kannst du das doch nebenbei einfach ein bisschen mit machen.” „Aber die Zeit ist doch für die Arbeit gedacht und meine Mittagspause fürs Essen. Außerdem kostet das alles immer viel mehr Zeit als es scheint, ist nicht nur einmal über die Arbeitsplatte wischen.” Mal eben kurz „drüberwischen”. Ich wusste genau, dass es damit eben nicht getan ist und konnte sie so gut verstehen. Seit wir während der Pandemie vermehrt zu Hause gearbeitet haben, ist uns wahrscheinlich allen aufgefallen, dass die Home-Office-Stunden (entgegen der meist unbegründeten Angst der Chefs und Chefinnen) für Arbeit draufgehen, wofür sie ja auch gedacht sind.

„Mal eben kurz” ist oft eine Lüge

Worauf ich hier raus will: Wenn ich gerade beim Arbeiten im Flow bin, dann reißt mich die piepsende Waschmaschine aus dem To-Do, weil sie meine Aufmerksamkeit verlangt. Und weil ich bei Haushaltssachen (die eben auch gemacht werden müssen) oft vom Hundertsten ins Tausendste komme, da ist es eben oft nicht nur ein „mal eben kurz”.

Und weil ich das mit mittlerweile 35 (fast 36!) Jahren weiß, da ist es absolut okay, Sachen einfach stehen zu lassen. Meine Aufmerksamkeit bei der einen Sache zu belassen, der ich sie gerade widme. Fact: Jedes Mal, wenn eine Ablenkung passiert, dann ist unsere Aufmersamkeit für die andere Sache weg und wir müssen sie uns beim „neu Anfangen” erst wieder zurückholen und erarbeiten.

Weil ich also weiß, dass ich schnell vom Hundertsten ins Tausendste komme zu Hause, da ignoriere ich mal eben die Krümel auf dem Tisch, nehme meinen Tee und schließe die Tür zum Home-Office. Ihr bekommt später meine Aufmerksamkeit. Gerade brauche ich sie, um für euch diese Kolumne zu schreiben.

Bild: mit Canva erstellt


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