Life at 30: Das ist mir einfach zu extrem

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Vor Kurzem las ich wieder von der „Joy of missing out” (kurz: Jomo). Fomo? Jomo? Ich finde: Das ist mir einfach zu extrem.

Fomo. Das Wort kennen wir glaube ich mittlerweile alle. „Fear of missing out” – oder wenn alle auf einer privaten Party oder einem beruflichen Event sind und Du sitzt zu Hause und fühlst Dich dabei unglücklich. Mit der Bewegung hin zu einem bewussteren, achtsameren Leben lese ich jetzt immer häufiger einen anderen Kurzbegriff in meiner „Blase”: Jomo. Gemeint ist „Joy of missing out”, also das komplette Gegenteil, nämlich gern nicht Teil von etwas zu sein. Mein spontaner Gedanke: Das ist mir schon wieder viel zu sehr das andere Ende der Skala. So à la toxische Positivität.

Was mich in Bezug auf Positivity und Mindset oft stört?

Diese Extreme, wenn es um Gefühle und das Mindset geht. Es passiert beispielsweise unerwartet Negatives und es gibt nur die Wahl zwischen „Ach alles läuft überhaupt nicht, mein Leben ist so ein Chaos” oder „Das ist doch jetzt eine tolle Chance mit Gipsbein zu Hause zu sein, endlich hast Du Zeit Spanisch zu lernen”. Meine Reaktion und Einstellung ist so oft genau in der Mitte.

Weder Fomo noch Jomo – wieso gibt es immer nur die Extreme?

Früher war ich beruflich häufiger international unterwegs. Mehrmals im Jahr für einen Tag nach Paris, Hotelkooperationen in Marrakesch und danach direkt zum Shooting nach Barcelona, oder sogar zum Launch der AppleWatch nach San Francisco und danach direkt für eine Blog-Kooperation in New York. In den letzten Jahren änderte sich das. Ich arbeite auch viel von Hamburg aus und mein Leben ist entschleunigter.

Habe ich deswegen ständig Fomo, wenn ich so durch Instagram scrolle? Nein. Weil mein Job und mein Alltag sich (mit Ausnahme der krassen Lockdown-Zeit) einfach so richtig anfühlen. Und ich auch finde: Alles hat seine Zeit. Ich denke so gern an die Jahre mit diesen Erlebnissen zurück. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht auch andere Dinge genießen kann (außerdem gibt es auch immer die Kehrseite einer Medaille).

Seit ich zu meiner Blog-Arbeit auch Stressmanagement-Trainerin bin und Life at 30 inhaltlich und jetzt auch im Mentoring zu meinem Thema machte, habe ich auch meinen beruflichen Alltag verändert. Früher dachte ich, ich muss mich beruflich auch viel „zeigen”. Oft präsent sein und nicht zu viele Einladungen absagen. Das war sicher eine Art des beruflichen Fomo. Heute weiß ich, dass das gar nicht nötig ist. Gehe viel selektiver vor und bin dadurch nicht immer ständig so im Stress. Ich freue mich heute noch riesig über eine Einladung oder ein Event (egal ob klein oder groß), bei dem ich Kolleg*innen und Kund*innen treffen kann. Aber ich spüre kein „Fear of missing out”, wenn ich in Hamburg arbeite und sehe, dass beispielsweise gerade ein tolles Event in Paris stattfindet.

Ich war allerdings auch noch nie so richtig der „Fomo-Typ”. Musste auch privat in meinen Zwanzigern bei einer Party nicht die Letzte sein, um ja nichts zu verpassen. Oder jede Essenseinladung bei Bekannten zusagen, obwohl ich nach einer stressigen Woche einfach nur an einem Freitagabend aufs Sofa wollte.

Na, dann bin ich doch ganz klar bei Jomo dabei oder? Bin doch auch super happy mit meinem Mann Samstagabends Basketball zu schauen und muss nicht vor einem Club anstehen oder das ganze Wochenende sekündlich durchplanen. Stehe doch ohnehin total für Mindfulness und dafür, das ganz eigene Ding zu machen. Und kann sehr gut auch einfach allein zu Hause sein und mich in einem Buch verlieren.

Aber etwas nervt mich an diesem ganzen „Joy of missing out”…

Es ist wieder so das absolut andere Ende der Skala. Mich stören hier wie so oft diese Extreme. Als könnte ich nur verzweifelt zu Hause sitzen, weil ich etwas verpassen könnte und davon innerlich total getrieben sein (Fomo). Oder aber (Jomo) total happy, endlich mal Me-time und Zeit für mich zu haben. Selbst wenn es mal eine Zeit ist, in der ich gern Freunde treffen würde, aber im vollgepackten Alltag klappen gerade Treffen und Unternehmungen nicht.

Kann ich es auch nicht einfach mal nicht „toxisch positiv” großartig finden, sondern auch einfach mal neutral?

Fomo, Jomo… In der Realität ist es so oft keines von beidem, sondern ein viel realistischeres Gefühl in der Mitte. Dafür habe ich jetzt nur leider keine so fancy Abkürzung.

Bild: Sophie Wolter


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