Life at 30: Das Dilemma mit den sozialen Medien

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Das Dilemma mit den sozialen Medien ist auch der Titel einer aktuellen Netflix-Doku, die Aufhänger der heutigen Life at 30 Kolumne ist.

Nein, heute geht es nicht um Fake-Likes und gekaufte Follower, mit denen in meiner Branche Wettbewerbsverzerrung betrieben wird. Auch wenn ich mich da immer wieder neu darüber aufregen könnte.

Das Dilemma mit den sozialen Medien – Leben in der eigenen „Medien-Blase”

Es geht um unsere mediale Blase, in der wir leben. Und die uns bewusst sein sollte. Was ich damit meine?

Eine aktuelle Netflix-Doku mit dem Namen „Das Dilemma mit den sozialen Medien” deckt gerade ziemlich gut auf, was noch alles hinter Social Media steckt. Überraschung (Ironie…): Die kostenlosen Social Media Apps sind nicht wirklich kostenlos. Sondern wir zahlen mit unseren Daten. Und sind sozusagen die Ware. Denn uns kann man so herrlich personalisierte Werbung ausspielen, mit der Geld verdient wird.

Das ist mir nicht neu. Jedoch hat mich die Doku dazu angehalten das alles politischer zu sehen. Vor allem auch in Zusammenhang mit den gerade überall kursierenden Verschwörungstheorien. Deshalb brennen mir heute folgende Zeilen unter den Fingern.

Ich versuche es mit Beispielen zu veranschaulichen…

Sagen wir, Du bist 30, männlich und magst Fußball. Wenn Du bei Instagram, Facebook und Co. „rumhängst”, dann bleibt Deine Aufmerksamkeit an Sport-Videos hängen. Bei „Epic Fail” Videos musst Du lachen und leitest sie auch mal an die Kumpels weiter. Überraschenderweise (jaja) siehst Du dann immer mehr Sport-Videos im Feed. Bei Explore bei Instagram reiht sich ein Fail-Video ans nächste. Zwischendurch wird dann quasi nebenbei super passend die neueste Sneaker-Anzeige platziert.

Oder Du bist 25, weiblich und liebst Yoga. Auf Instagram folgst Du den Yoga-Größen. Die Asana-Anleitungen lassen Dich auf den dazugehörigen Videos am längsten verweilen. So lernt Social Media aus Dir und legt quasi ein „Werbeprofil” für Dich an. Passender Content wird an Dich ausgespielt. Als Werbung siehst Du eher Tee und Yogakleidung als etwas anderes.

Prinzipiell könnte man jetzt sagen: Ist doch super, dann sehe ich nur, was ich sehen will. Bis zu einem gewissen Punkt stimmt das auch. Ja, Du kannst es erraten. Jetzt kommt das ABER. Schließlich heißen Doku und Kolumne nicht umsonst: Das Dilemma mit den sozialen Medien.

Die Sache mit den Nachrichten und den Verschwörungstheorien

Stell Dir vor, Du likest bei Facebook besonders oft Videos, die aussagen, dass die Erde eine Scheibe ist. Was? Klingt verrückt, aber irgendwie spannend. Du schaust Dir ein Video eines YouTubers dazu bis ganz zum Ende an. Und bleibst immer bei den Artikeln besonders hängen, die auch das Thema betreffen. Kommentierst die dazugehörigen Facebook-Postings vielleicht.

Nachdem Du dann das eine Video angesehen hast, kommt direkt das nächste genau zu dem Thema. „Na siehst Du, die sagen das ja auch, dass die Erde gar nicht rund ist.” Und zack bekommst Du den nächsten Artikel dazu ausgespielt. Quelle? Nebensache. Ganz Facebook sagt Dir doch gerade, dass Du in Deiner Meinung bestätigt wirst. Da muss doch was dran sein.

So werden wir manipuliert. Dadurch, dass die unfassbar komplexen Social Media Algorithmen durch unsere Daten und unser Verhalten lernen und uns in der Folge immer „Passendes” ausspielen. Schöner lässt es sich nunmal nicht ausdrücken. Und genau so beeinflussen Social Media Algorithmen sogar politische Wahlen.

Die Quelle des Gesehenen zu hinterfragen ist so wichtig

Als Journalistin hinterfrage ich immer die Quelle dessen, das mir auf Facebook und Co. ausgespielt wird. Versuche über andere Kanäle (TV, Online-Magazine, Zeitungen…) an Nachrichten zu kommen. Ich verlasse mich nicht nur darauf, was mir bei Social Media gezeigt wird. Aber da hilft es eindeutig, dass mir immer bewusst ist, dass ich die Quelle recherchieren muss. Das ist ja sogar Teil meines Berufs. Wir dürfen uns nicht in dieser medialen Blase verlieren, in der uns nur alles bestätigt wird und nach dem Mund geredet. Das ist so wichtig.

Es kommt auf das Bewusstsein beim Konsumieren an – vor allem, wenn es um Nachrichtenwert geht

Beim Dilemma mit den sozialen Medien geht es um mehr als nur „Ach dann wird mir eben die Sneaker-Werbung angezeigt, die mich auch interessiert.” Oder: „Ja, ist doch super, wenn ich dann nur Yoga-Inhalte angezeigt bekomme.” Es geht um unsere Gesellschaft. Um unsere Politik. Vor allem anderen um Meinungsbildung.

Und jetzt? Schock! Handy wegwerfen und Facebook löschen? Quatsch! Wir müssen uns nur bewusst sein, wenn wir konsumieren. Und uns bewusst machen, dass wir aus unserer eigenen „Medien-Blase” auch heraustreten müssen. Bewusst andere Kanäle konsumieren sollten. Vor allem wenn es um wichtige Dinge wie Nachrichten und das Weltgeschehen geht.

Ihr seht schon: Bewusstsein und Hinterfragen im Umgang mit Social Media und vor allem dem Nachrichtenwert. Das ist, worauf ich hier gerade hinaus will.

Bild: Dennis Kayser


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2 Kommentare

  • Annika

    2. Oktober 2020 at 18:07

    Liebe Susan,

    da gehe ich absolut d‘accord. Die ganze neue Vielfalt an Informationsquellen ist Fluch und Segen zugleich. Zum einen ist es leichter an Informationen zu kommen, neue Themenbereiche und Produkte für sich zu gewinnen, zum anderen wird es aber dadurch schwieriger zwischen Aussagen zu differenzieren und nicht mit Informationen überschwemmt zu werden. So wie man die anderen Medien meines Erachtens stets kritisch hinterfragen und, insbesondere bei schwerwiegenden Themen, weitere Quellen recherchieren sollte, so sollte man dies auch bei den sozialen Medien tun. Ich hoffe, dass hier die Medienethik zukünftig an Einfluss gewinnen und gewisse Spielregeln sich durchsetzen werden.
    Liebe Grüße und gerne wieder derartige Denkanstöße,
    Annika.

    Antworten

  • Eva

    3. Oktober 2020 at 07:59

    Super Zusammenfassung der Doku, die mich gerade auch sehr beschäftigt.
    Allerdings bin ich mit dem Teil ab “und jetzt? Schock!” nicht einverstanden. Denn eigentlich sagt ein Teil der Sprecher im Film genau das – Handy weg. “einfach nur” bewusst konsumieren halte ich für zu einfach gedacht, vor allem, da in der Doku sehr deutlich wurde, dass wir auch als gebildete Konsumenten knallhart manipuliert werden und zwar so, dass unser Verstand (Stichwort Neandertaler vs technischer Fortschritt) gar keine Chance hat, dies zu begreifen.
    Im Moment bin ich auch noch ratlos, wie man damit sinnvoll umgehen soll, allerdings erwäge ich tatsächlich die Option, insta zu löschen bzw den Konsum extrem einzuschränken. Natürlich ist das Teil deines Jobs, aber ich würde mir hier einen etwas kritischeren Lösungsvorschlag von den social media Journalisten wünschen.
    Danke, dass du das Thema aber zumindest aufgegriffen hast! Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
    LG Eva

    Antworten

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