Life at 30: Urlaubsreif

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Urlaubsreif. Das ist ein Wort, das ich sonst nicht sage. Aber gerade ist es einfach da. Dieses Gefühl. Eine Kolumne über Privilegien und ein Eingestehen.

„Ich bin sowas von urlaubsreif.” Das hören meine Freunde und Kollegen von mir eigentlich nie. (Jetzt fangen sicher einige von ihnen an zu überlegen und nicken dann schließlich. „Stimmt!”).

Warum ich das Wort „urlaubsreif” eigentlich vermeide?

Das hat zwei Gründe. Der erste ist so einfach, wie der Weg dahin schwierig war. Ich steh nicht gänzlich hinter diesem Spruch „Do what you’ll love and you’ll never work another day in your life.” Aber es geht in die Richtung. Was mich an dem bekannten Spruch stört? Es kann Dein Traum sein Tauchlehrer*in in der Karibik zu sein. Du erfüllst Dir diesen Traum und Deine Arbeit macht Dir so viel Spaß. Aber vielleicht auch nicht jeden einzelnen Tag. Und selbst wenn die Tauchgänge super waren, dann wartet doch irgendwann die Buchhaltung.

Was ich damit sagen will? Du kannst auch Deinen Traumjob gefunden haben und dennoch nervt Dich an dem ein oder anderen Tag etwas. Oder etwas fühlt sich eben doch nach Arbeit an, weil es das gerade in dem Moment ist. Das ist auch völlig okay. Trotzdem ist an dem Spruch sehr viel Wahres dran, das auch auf mich zutrifft.

Die meiste Zeit und zum größten Teil mache ich meine Arbeit gern. Sie erfüllt mich und bereitet mir Freude. Ich habe auch für mich beschlossen, dass ich nicht „auf etwas (wie z.B. die Rente) hinarbeiten will”. Deshalb habe ich meist nicht diesen Berufsalltag, vor dem ich ein oder zwei Mal im Jahr in den Urlaub „fliehe”. Das drückt „urlaubsreif” für mich aber häufig aus.

Außerdem bin ich der Meinung, dass ich wahnsinnig privilegiert bin. Schließlich ist für mich das Reisen ein großer Teil meines privaten, aber auch beruflichen Lebens (zumindest war es das Pre-Covid). Und deshalb ist die Zeit zwischen zwei Reisen, die mich immer so sehr erfüllen, oft nicht so lang wie bei anderen Menschen in meinem Umfeld. Es gibt nicht den einen Jahresurlaub oder diese große Reise, auf die man mehrere Jahre spart. Hier fühle ich mich so privilegiert, dass ich es immer vermessen finde, wenn ICH dann auf einmal sage ich bin urlaubsreif. (Obwohl natürlich berufliche Reisen auch nicht mit dem „Ich habe nur Freizeit und relaxe”-Urlaub gleichzusetzen sind, was viele häufig vergessen.)

Gerade muss ich es mir aber eingestehen: Ich habe absolut dieses „Akku aufladen müssen”-Gefühl

Aber ich bin ja immer sehr ehrlich zu Euch, also sage ich es auch jetzt. Momentan fühle ich mich sowas von urlausbreif. Ein anderer Ort, andere Gerüche, Natur, mal wegkommen von allem und mich neu inspirieren lassen. Ich merke so sehr, wie mir das letzte Jahr in den Knochen steckt. Mit Pandemie, dann doch auch erst einmal irgendwie bangen wegen der Job-Auftragslage, wohnen mit einem Schimmelzimmer, 5 Monaten Auszug, 2 Ersatzwohnungen und Hotels und mit gesundheitlichen Problemen.

In diesem Jahr wurde das Meiste davon „wieder gut”. Aber das letzte Jahr hat bei mir Spuren hinterlassen. Und obwohl ich meine Arbeit weiterhin mag, sogar ein neues Herzensprojekt verfolge und wir auch wieder zurück in der Wohnung sind. So vieles, das ich auch nicht alles hier erzähle, weil es zu privat ist, arbeitet noch in mir. Und deshalb bin ich nach der „mütend” Zeit gerade oft einfach nur wirklich müde.

Deshalb habe ich zwischen eBook, Blog und Instagram für die nächsten zwei Wochen mal nicht – wie sonst immer – noch „nebenbei” zahlreiche Artikel „vorgebloggt”. Sondern nur das absolut Nötigste. Die Life at 30 Kolumnen kommen an beiden Freitagen für Euch online. Und eine neue Podcast-Folge plus Artikel. Alle anderen Themen (wie z.B. einen Artikel mit Café-Tipps für Hamburg oder Reise-Tipps, habe ich auf nach den Urlaub verschoben). Nicht weil ich es nicht mit langen Tagen am Schreibtisch nicht doch „irgendwie geschafft” hätte. Sondern, weil ich mir zugestehe, dass ich schon ohne den zusätzlichen Aufwand gerade einfach urlaubsreif bin.

Ich bin nicht Superwoman, sondern auch nur ein Mensch. Der jetzt einfach mal eine Pause braucht.

Bild: Unsplash


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