Life beyond 30: Am Limit.

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Ist das gerade viel. Was genau eigentlich? ALLES! Okay, in einer absoluten Umbruchphase mit großen Veränderungen am Limit zu sein, das ist klar. Aber wisst Ihr, was mich richtig überrascht?

Alle sind komplett am Limit.

Ich dachte erst, es liegt an mir. Trennung. Umzug. Wirtschaft läuft nicht so (milde ausgedrückt) und deswegen nicht gerade Job-Hochphase. Starting over at 38. Klar, dass meine Mental-Load- und To-do-Listen da so lang sind, dass eine Din A4 Seite nicht ausreichen würde. Doch dann fiel mir auf…

Es liegt nicht an mir. Nicht nur ich fühle diese stressige Energie. Jede Person (eigentlich waren es zu 90% Frauen) mit der ich mich in den letzten Wochen traf, hat dieses Gefühl. Als hätte das Leben nochmal einen Gang zugelegt. Egal in welcher Lebensphase. Mit Kind. Ohne Kind. Mit Partner:in und Single. Angestellt oder selbstständig (letzteres aber nochmal zusätzlich mit schlechter Joblage belastet). Nicht mal nur in der Rushhour in den 30ern. Egal ob 30, 40 oder 50. Bei jedem schönen Treffen ein kollektives:

„Puh! Ist das gerade alles viel und anstrengend.”

Dann noch extremes Wetter. In der neuen Wohnung ein vollgelaufener Keller wegen Starkregen. Alle können bei Rekordhitze nicht richtig schlafen, um dann zwei Tage später wieder die Jacke rauszuholen. Bei allem in der Basis dieses angsteinflößende Grollen: Ja, das ist der Klimawandel, den Politiker:innen so gern unterschätzen. Extreme Wetter. Wie früher in den Filmen…

Nachrichten abends vor dem Schlafen – packt kaum jemand mehr. Muss schon die ganzen News jeden Tag auf meinem iPhone doch irgendwie verarbeiten. Der Bundeskanzler brüllt: Mehr arbeiten, weniger Pausen. Urlaub? Krank sein? Pah. Unnötiger Luxus.

Wenn wir schon in meiner ultra privilegierten Bubble den Alltag so anstrengend finden. Da ist ja meistens nicht mal was mit ernsthaften Geldsorgen und zwei, drei Jobs, um die Miete bezahlen zu können, sondern Polster und mal eben ein sechs Euro Matcha, um bei allem wach zu bleiben.

Kollektive Sehnsucht nach Leichtigkeit. Nach einem langsameren Tempo.

„Nächste Woche wird es bestimmt ruhiger.” „Wenn ich das noch erledigt habe, dann gibt’s eine Pause”.

Pause. Die hatte ich kurz am Wochenende an der Ostsee. Bei meinem ersten Solo-Trip an mein geliebtes Meer nach der Trennung.

Und da stand ich so abends allein im Meer mit Glückstränen in den Augen und dachte: Wir rennen alle so, besonders in der Großstadt. Sehnen uns nach diesem Dorf am Meer mit allen Freund:innen. Sitzen dann aber wieder allein in der Wohnung. Einsam mit unsere Ängsten. Sprinten zum Bus. Zum Lunch-Date. Zum Termin. Die Welt brennt bei alledem um uns herum und schreit uns an: Rette mich doch endlich, verdammt!

Wann wird das alles leichter? Ganz ehrlich: Nur durch anhalten und verändern. Nicht durch immer weiter rennen… „Aber ich muss doch noch…”

Ich schau mir jetzt mein Leben ganz genau an in der nächsten Zeit. Radikal loslassen, Verbindung suchen (das klappt schon so gut) und dann diesen Ort und dieses Leben für mich schaffen, dass sich nicht nur „ständig am Limit” anfühlt. Das muss es doch geben.

Und ganz ehrlich: Das Bewusstsein zu schaffen und immer wieder auf Pause zu drücken. Anzuhalten, um zu merken, wenn es gerade schön ist (wie ich auch in meinem Buch schreibe). Prioritäten zu setzen und uns überhaupt Gedanken darüber zu machen, was uns wirklich wichtig ist. Kleine gute Dinge im Alltag zu suchen und zu genießen. Das ist schon mal ein richtig guter Anfang.

Bild: Sophie Wolter


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