Life at 30: Was keiner sieht

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Müde Augen. Irgendwie Chaos in der Ruhe. Außen und innen. Was keiner sieht, aber doch so real ist.

Es ist wie dieses Gefühl, das ich früher ab und an auf Mode-Veranstaltungen hatte, als ich einen Redaktionsjob anfing. Ein Raum voller Menschen und doch fühlt man sich furchtbar unwohl und allein. Außen die Fassade, innen die Sorgen und Ängste. Bitte lasst das nicht zu!

Ich spreche gern Mut zu. Versprühe auf all meinen Kanälen in meinem Job „Positive Vibes”. Will motivieren und bestärken. Denn nicht nur persönlich, sondern auch als Stressmanagement Trainerin weiß ich eins. Wenn wir uns auf die positiven Dinge im Leben stürzen und diesen viel Aufmerksamkeit schenken, dann wird auch alles positiver. Dann kann schon der kleinste Glücksmoment einen richtig beschissen Tag viel besser machen.

Nicht umsonst sprechen alle von Dankbarkeitstagebüchern und Co. – denn wenn wir uns das Gute bewusst machen, scheint es auf einmal viel mehr davon zu geben. Und deshalb habe ich mir über die Jahre wirklich antrainiert, kleine Momente wertschätzen und sehen zu können. Denn die Welt ist so wie ich auf sie reagiere. Ich sehe sie durch meinen persönlichen mentalen Filter.

Was keiner sieht …

Aber glaubt nicht, dass ich 24/7 die „Strahle-Sue” bin. Diesen Artikel schreibe ich gerade unter meiner Kuscheldecke auf dem Sofa. Weil ich gerade hier beim Ausruhen Kreativität fand, die ich nicht auf dem Weg ins Office wieder verlieren wollte. An vielen Tagen suche ich gerade die Kreativität gerade, die mir sonst einfach zufliegt.

Mit geplatzten Äderchen im Auge schaue ich in den Spiegel. Wo kommen die auf einmal her? Meine Augen sehen müde aus. Kurz für Zoom den pinken Lippenstift drauf. Küchenchaos? Später.

In den letzten Monaten hatte ich richtige herausfordernde Momente. Und nicht für alles eine Lösung. Das mit der Wohnung wird sich bürokratisch wohl noch ewig hinziehen und mir fehlen soziale Kontakte. Und ein gesundheitliches Problem beherrscht immer noch meinen Alltag, das ich immer noch nicht im Griff habe und mich sehr belastet…

Jeder hat dieses „Was keiner sieht”

Warum ich das jetzt gerade so deutlich schreibe? Weil wir uns besonders jetzt gerade ganz dringend beim zehnten Scrollen am Tag durch Instagram und Co. bewusst machen müssen, dass es bei jedem dieses „Was keiner sieht” gibt.

Selbst bei Gisele Bündchen und Tom Brady, die sich von ihrem Privatkoch ihr veganes Lunch machen lassen, nachdem die Haushälterin das Haus aufgeräumt hat. Ich glaube, es war Jim Carrey, der mal gesagt hat, dass er sich wünschte, dass jeder mal kurz reich und berühmt wäre. Warum? Weil man dann merken würde, dass das auch nicht die Lösung ist.

Es ist so wichtig, dass wir uns nicht ständig mit anderen vergleichen. Aber ganz ehrlich: Gerade wenn es einem nicht so gut geht und man viel Zeit zu Hause und in den Sozialen Medien verbringt, ist das besonders schwer. Beim weiter Versuchen hilft deshalb, wenn wir uns bewusst machen, dass es bei jedem dieses „Was keiner sieht” gibt.

Für uns persönlich ist dieses Bewusstsein ganz, ganz wichtig. Sonst bekommt man schnell das Gefühl, dass alle andern ja alles so gut „wuppen” und wir stehen gefühlt ganz allein bei dieser Mode-Veranstaltung im Raum.

Auch wenn wir es nicht sehen – denkt das „Was keiner sieht” im Umgang mit anderen mit

Aber auch im Umgang miteinander sollten wir immer an dieses „Was keiner sieht” denken. Vielen unserer Mitmenschen geht es im Lockdown gerade nicht gut. Jeder hat ein anderes Päckchen zu tragen (diese Redewendung hasse ich eigentlich, aber sie ist so passend). Ruft die Freundinnen an und fragt, wie es ihnen wirklich geht. Nehmt Rücksicht, wenn jemand mal nicht so reagiert, wie Ihr es Euch gerade wünscht.

Und vor allem gewährt anderen und Euch selbst einen Blick hinter die Fassade. Glaubt nicht, dass Ihr ständig „funktionieren” müsst. Sprecht offen und ehrlich mit den Menschen um Euch herum. Sagt, wenn das Homeschooling plus Job heute dazu geführt hat, dass alles von Minute zu Minute mehr im Chaos versank. Haltet vor den Herzensmenschen keine Fassade aufrecht, hinter der die Tränen fließen und Ihr Euch allein fühlt.

Jeder – selbst positive Strahlemenschen – hat dieses „Was keiner sieht”. Und das ist völlig okay!

Bild: Sophie Wolter


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