Life at 30: Weg von „Was denken (dann) die anderen über mich?”

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„Was denken (dann) die anderen über mich?” Dieses Frage kennen wir wohl alle. So schien es zumindest, als ich diese Woche dazu etwas auf Instagram gepostet habe. Wie wir davon wegkommen?

Ehrlicherweise fällt es mir gerade schwer, eine Situation auszusuchen, um dieses „Was die anderen über mich denken könnten” zu veranschaulichen. Weil es so viele gibt, die sich gerade bei mir im Kopf drehen wie meine Wäsche, die gerade parallel in der Küche den Schleudergang einlegt.

Da gibt es diesen Mittag im ersten Sommer meiner Selbstständigkeit. 35 Grad. Und ich bin für diesen Tag fertig mit der Arbeit. Aber es ist doch Mittwoch. Da kann ich jetzt doch nicht mitten in der Woche ins Schwimmbad oder an die Alster. Wenn ich jetzt jemanden treffe, wie sieht das denn aus? Als würde es mit der Selbstständigkeit nicht laufen.

Manchmal denken es „die anderen” wirklich und wir bekommen es (zumindest am Rande) mit

Ich erinnere mich da an unzählige Job-Veranstaltungen in Modeboutiquen als noch angestellte Online-Redakteurin. Bei denen ich manchmal sogar ziemlich direkt mit diesem „Was die anderen denken” konfrontiert wurde. Die anderen dachten, ich sei zu „underdressed” in meiner Jeans und den Sneakern (damals noch nicht Trend). Oder ich sei schwanger, weil ich abends nach einem langen Tag nach einem Wasser fragte und den angebotenen Alkohol ausschlug (darüber könnte ich auch zehn Kolumnen schreiben).

An die Schulzeit will ich gar nicht denken, das würde ausufern. Denn „die anderen” fanden es weder gut, dass ich nicht jede Woche mit Party machte, weil ich als Jugendliche in zwei Basketballmannschaften spielte und mir das sehr wichtig war. Noch kam es gut an, dass ich beinahe jedes Jahr nach New York flog (meine halbe Familie lebt an der Ostküste, weil mein Vater dort aufwuchs). „Die denkt wohl sie ist deshalb etwas besseres. Jetset.” Von all diesen Erfahrungen müssen wir uns mental als Erwachsene erst einmal lösen.

Heute da denke ich als Mentorin und Stressmanagement-Trainerin ganz konkret daran, wenn wir uns um unsere mentale Gesundheit kümmern. „Was denken die anderen, wenn sie hören, dass ich eine Therapie mache?” Weil wir von der Gesellschaft (in Deutschland, nicht so in den USA!) immer wieder eingeredet bekamen, dass das „nicht normal” ist. Was es aber so sehr sein sollte. Es ist sowas von verdammt cool und wichtig, dass wir uns um unsere mentale Gesundheit kümmern. Und doch ist da so oft eine Hürde, wegen der Urteile „der anderen”.

„Sieht das nicht aus, als würde ich es allein nicht hinbekommen, wenn ich ein Coaching mache?” Weil wir so oft gehört haben, dass wir alles alleine schaffen müssen, suchen wir uns oft keine Unterstützung. Dabei ist es so hilfreich den Blick von außen zu bekommen, damit wir für uns selbst Klarheit erlangen können. Auch schon wenn scheinbar alles läuft und nicht erst, wenn wir absolut nicht mehr weiter wissen.

„Die anderen” sind so oft in unserem Kopf – selbst wenn niemand aktiv etwas sagt

Ich denke aber auch an viele, viele Situationen in meinem Kopf. Bei denen ich „die anderen” immer mitgedacht habe. Wenn ich mir neben der Moderedaktion UGG-Boots anzog im Winter (nein, die waren da auch noch nicht Trend), weil ich kalte Füße im Office hatte. Oder als Erwachsene lange keinen Helm trug beim Fahrradfahren, weil „die anderen” das peinlich finden, wenn ich nicht mal die Entschuldigung habe, dass ich meinem Kind ein gutes Vorbild sein muss. Um diese Gedanken zu bestätigen, da reichte oft nur ein Blick.

Typische Life at 30 Situation: die Hochzeit

Die Hochzeitsplanung ist auch so ein gutes Beispiel für dieses „Was denken (dann) die anderen über mich/uns?”. Zum Glück haben wir da zu zweit alles genau so entschieden, wie wir beide es wollten. Hochzeits-Cheesecake, weil mein Mann keine Fondanttorte mag und ich glutenfrei esse? Yes! Erst die freie Trauung und ein paar Tage später in Sneakern zu zweit ins Standesamt? Genau so! Da gab es natürlich Stimmen wie „Aber dann seid ihr ja noch gar nicht wirklich verheiratet”.

Aber weisst du, warum die Hochzeitszeit erst so richtig schön wurde? Weil wir einzig und allein auf uns beide gehört haben. Und uns so richtig gelöst haben von der Meinung „der anderen”. (Hier findest du übrigens viel Inspiration zum Thema Hochzeit.)

Wie ich wegkam von diesem „Was denken (dann) die anderen über mich”?

Eine Zeit, die mir dabei wirklich geholfen hat, war damals schon die Unizeit. Ich hatte mich dafür entschieden, genau mein Ding zu machen (Germanistik und Anglistik zu studieren). Und an der Uni fand ich Freundinnen, die mich so gut fanden, wie ich war. Dann war ich auch noch gut in dem, was ich tat und gewann immer mehr Selbstbewusstsein.

Und das ist definitiv ein großer Faktor: Selbstbewusstsein. Denn eigene Entscheidungen zu treffen und Wege zu gehen, ohne ständig an „die anderen” zu denken, das ist mit einem gewissen Selbstbewusstsein definitiv einfacher. Aber bei mir musste als ich älter wurde auch noch eine Art „Scheiß drauf”-Haltung dazu kommen. Einfach machen. Kurz Augen zu und los. Scheiß drauf, was die anderen denken. Fühlte sich kurz richtig mies an, ich wurde langfristig aber immer mit einem guten Gefühl belohnt (selbst wenn mein Weg mal nicht erfolgreich war – es war meiner!).

Wessen Meinung ist mir da eigentlich gerade wichtig?

Was mir auch sehr geholfen hat? Ich habe mich gefragt, wessen Meinung mir da eigentlich gerade wichtig ist (bewusst oder unbewusst). Ob die Kollegin, die richtig gemein über andere lästert, weil sie selbst unsicher ist, wirklich eine Macht über mich haben sollte? Auf keinen Fall. Ob jemand, mit dem ich kaum etwas privat zu tun habe, es uncool findet, dass ich einen Fahrradhelm trage? Na und? Sie wäre definitiv niemand, die mich nach einem Fahrradunfall im Krankenhaus mit Blumen besuchen würde. Und wenn ein Familienmitglied es seltsam findet, dass wir bei der Hochzeit erst die Feier machen und dann zum Standesamt gehen? Ist es mir da nicht viel wichtiger, dass wir für uns als Paar entschieden haben, uns das erste „Ja” bei unserer freien Trauung unter freiem Himmel vor allen Liebsten geben zu wollen?

So wurde ich schon einmal ziemlich viel mentalen Ballast und People Pleasing los.

Auch wichtig – vor allem, wenn mal etwas nicht so gut läuft: Ich habe selbst in der Hand wie „peinlich” etwas wird. Nämlich durch meine Reaktion. Wenn ich beim Job-Gespräch merke, dass ich etwas zwischen den Zähnen habe, kann ich mittlerweile über mich selbst lachen. „Ups, habe noch ein bisschen Lunch mitgebracht. Moment.” Wenn wir immer vor Augen haben, dass wir alle nur Menschen sind und alle nicht perfekt, dann fällt es auch leichter, nicht mehr so viel auf die Gedanken „der anderen” zu geben.

Und je mehr ich durchzog, was ich wirklich machen wollte und nicht dauernd an „die anderen” dachte, desto mehr merkte ich auch wie befreiend das war.

Ich lernte, dass meine eigenen Wünsche zu priorisieren und Grenzen zu setzen nicht egoistisch ist. In meinem Leben darf es doch wohl um mich gehen. Die Erwartungen der anderen an mich sollen mein Leben doch nicht bestimmen (dazu schreibe ich auch viel in meinem eBook).

Natürlich sind „die anderen” heute aber nicht völlig außen vor bei mir im Kopf. Ich denke da zum Beispiel an das Abwägen bei Einladungen (beruflich und privat). Zusagen oder absagen? „Ich fühle mich heute wirklich nicht nach Event, aber was denken die anderen, wenn ich relativ kurzfristig absage?”

In solchen Situationen versuche ich die verschiedenen Optionen zu visualisieren. Sehr konkret. Ist wirklich jemand richtig sauer? Muss ich mich vielleicht erst von der Couch schälen und dann wird’s doch sehr schön? Ist es vielleicht schön hier jemandem einen Gefallen zu tun? Würde ich mich vor Ort sehr unwohl fühlen? Wenn ich so richtig in mich reinhöre und mir alles ganz genau vorstelle, dann hilft das sehr.

Das Allerwichtigste zum Schluss: Du bist die Hauptperson in deinem Leben. Du bist nicht dafür da, es allen anderen recht zu machen. Lasst uns lernen auszuhalten, dass nicht alle unsere Entscheidungen oder gar ganz allgemein unseren Weg gut finden. Geh ihn trotzdem. Lache, wenn du stolperst… und geh weiter.

Falls Du mehr Inspiration für deinen ganz individuellen Weg suchst, dann schreib mir gern wegen meines Life at 30 Mentorings oder schau dir mal meine Retreats an. 

Bild: Sophie Wolter


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