Life at 30: Mein Problem mit Guilty Pleasure

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Guilty Pleasure. Wenn ich das schreibe, fallen Dir bestimmt ein paar Dinge ein. Heute geht es um mein Problem damit.

Wir haben im Deutschen ja beinahe für alles ein Wort. Und wenn nicht, dann hängen wir einfach wild ein paar Wörter hintereinander. Aber, schreib mir wenn ich falsch liege, es gibt bei uns kein richtiges Wort, das den Begriff Guilty Pleasure so gut auf den Punkt bringen würde.

Wenn wir Guilty Pleasure sagen, dann meinen wir häufig heimlich still und leise die neueste Bachelor-Folge zu schauen (oder gar nicht so still und leise mit der besten Freundin). Trash-TV wird super oft als dieses „schuldhafte Vergnügen” bezeichnet.

Fürs Essen gibt es da sogar noch eine ganze Reihe anderer Begriffe, wie Cheat Day, für einen Tag, an dem ungesundes Essen „erlaubt” ist.

Falls Du hier schon länger mitliest, dann kannst Du beim Lesen schon bereits erahnen, wie ich zu Begriffen wie Cheat Day oder dem Konzept von Guilty Pleasure stehe.

Hier ist mein Problem mit Guilty Pleasure

Bleiben wir beim Essen: Ich hasse den Ausdruck Cheat Day. Warum? Weil ich in dieser Welt voller Selbstoptimierung und Druck ganz furchtbar finde, dass wir uns etwas, das wir gern genießen möchten, nur an diesem einen Tag erlauben. Dass wir uns sogar mit einem Begriff rechtfertigen müssen. Vor anderen und vor uns selbst.

Wenn ich gefragt werde, ob ich Vegetarier, Veganer bin oder Fleisch esse, dann antworte ich mit „Bewusstarier”. Ein von mir erfundenes Wort, das dafür steht, dass ich Essen als Genuss sehe. Das ist im Alltag 90% vegetarisch. Aber ich will mich bewusst nicht selbst in eine Schublade stecken. Starre Regeln auferlegen, hinter denen ich gar nicht hundertprozentig stehe.

Weil ich finde, dass jeden einzelnen Tag in unserer Gesellschaft so viel Druck auf uns lastet. Und wenn ich etwas geniessen will, dann muss ich mir das nicht erst an diesem einen Tag erlauben und vor anderen als Cheat Day rechtfertigen.

Das „Guilty” ist das, was mich stört

Es gibt so viele Dinge, für die wir Frauen uns im Alltag häufig schuldig fühlen. Nicht genug Zeit zu haben für die Familie – egal ob für die Eltern oder die eigenen Kids. Irgendeiner Rolle nicht gerecht zu werden, oder zumindest das Gefühl zu haben, dass dem so ist. So oft haben wir ein schlechtes Gewissen oder Gefühl.

Häufig geht es dabei auch um die Außenwirkung. „Was denken andere von mir, wenn sie das mitbekommen?” „Wie sieht das nach außen aus?”

Ganz ehrlich: Wenn ich krank zu Hause bin und den ganzen Tag Netflix schauen will – inklusive der ein oder anderen niveaulosen Dating-Show – dann ist das völlig okay. Ich muss mich dabei nicht „guilty” fühlen. Nur weil Du ab und an bei sinnlosen Trash-TV Shows mal so richtig Dein Hirn abschaltest, bedeutet das weder, dass Du nicht intellektuell bist, noch dass Du Dich dafür schämen musst. Ja, zu sehen wie sich Leute verloben, die sich noch nie vorher gesehen haben, ist beknackt. Aber mich darüber zu amüsieren, ließ mich die Halsschmerzen besser vergessen als mit Brummschädel Brecht zu lesen. Und das ist total okay.

Ich muss das auch nicht verheimlichen und vor anderen so tun, als würde mich das Lesen einer wissenschaftlichen Dissertation genau so entspannen wie alte Sex and the City Folgen zu „bingen”.

Und noch viel wichtiger ist es beim Essen. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich so ein gutes „Verhältnis” zu Essen habe, weil ich es als Genuss sehe und nicht mit tausend Verbotsschildern (okay, außer Gluten, das mag mein Körper wohl einfach nicht). Als ich ein Kind war, durfte ich mehr als ein Toffifee essen nach dem Mittagessen. Dadurch war ich nicht eines der Kids, das beim Kindergeburtstag nach 1000 vorangegangen Verboten alle Süßigkeiten, die auffindbar waren, zusammen in sich reinstopfte.

Ich lebe sehr gesund, weil es mir Freude bereitet, meinem Körper etwas Gutes zu tun. Aber wenn ich gerade Lust auf etwas habe, wie beispielsweise auf die leckerste Portion Pommes mit Guacamole und Trüffelmayo (ja beides!) vom Burgerladen nebenan, dann muss ich mir dafür nicht extra einen Cheat Day deklarieren.

So oft will ich in Gesprächen mit anderen oder bei Social Media schreien: „Mach es einfach, wenn es Dich glücklich macht. Hör auf Dir ständig Dinge zu verbieten. Du musst Dich nicht schuldig fühlen.”

Also heute hier. Du musst Dich nicht „guilty” fühlen für das, was Dich genau in dem Moment gerade zum Lächeln bringt. Und schon gar nicht musst Du Dich dafür rechtfertigen. Nicht vor anderen und auch nicht vor Dir selbst.

Bild: Sophie Wolter


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