Life at 30: Auf der Suche nach Spontaneität

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Spontaneität ist nicht nur ein Wort, das man wegen der Schreibweise häufiger im Duden suchen muss (Spontanität geht übrigens auch). Sondern gerade auch vor allem im Alltag.

Ich gebe zu: Ich war noch nie der spontanste Mensch. Bin lieber vorbereitet (immer einen Pulli dabei) und plane gern. Aber selbst bei der Planung fehlt mir aktuell die Spontaneität so sehr. Hm? Erkläre ich noch, wenn Du weiterliest.

Heute Morgen stand ich im Bad (und benutzte endlich mal wieder Tonic fürs Gesicht – ein Step, den ich zu oft auslasse). Und während ich da so vor dem Spiegel stand, fiel mir der Titel für die Life at 30 Kolumne diese Woche ein:

Auf der Suche nach Spontaneität

Mir fehlt Spontaneität gerade an allen Ecken und Enden und sie ist auch ein großer Teil der fehlenden Leichtigkeit, von der wir gerade so oft sprechen. Nicht alles tausende Male abzuwägen. Einfach mal machen. Spontan eben.

Diese Woche habe ich überlegt, wo wir mit der Family an Jens Geburtstag am Ostermontag in Hamburg abends essen gehen könnten. Da würde man doch meinen, man muss – vor allem wenn man mitten in Eimsbüttel wohnt – einfach nur vor die Tür gehen. Nope. Sonntags und Montags hat kaum noch ein Restaurant mehr abends offen. Schon drei Mal nicht an Ostern. Überall Brunch, Brunch, Brunch. Abends? Niente. Normalerweise hätte ich gar nicht so sehr vorausgeschaut. „Dann gehen wir einfach dahin, wonach uns an dem Tag eben ist.” Aber nicht nur geänderte Öffnungszeiten in den letzten zwei Jahren machen Spontaneität schwer. Wenn keine Reservierung vorhanden ist, dann wird es erst recht nicht einfacher. Ich verstehe das natürlich total aus Gastro-Sicht. Aber nach zwei Jahren sind es eben nicht mehr so spontane Zeiten.

Dann haben wir diese Woche noch über die Reiseplanung gesprochen. Beruflich vermisse ich den „Reise-Teil” meines Jobs so sehr, dass ich gar nicht so lange darüber nachdenken will.

Aber auch privat ist hier eine große Lücke entstanden. Eigentlich ist das Reisen unser größtes gemeinsames Hobby. Und wir haben uns die letzten zwei Jahre hier so sehr zurückgehalten. Jetzt gehen wir vorsichtig an die Planung für dieses Jahr. Aber es macht ehrlicherweise nicht annähernd so viel Spaß wie sonst. Weil immer auch die Pandemie mitgedacht werden muss. „Da ist kurz danach der und der Termin. Wenn man dann in Quarantäne müsste, das geht nicht.” Und „einfach mal losfahren” ist in diesen Zeiten auch eine Illusion. Auch zeitlich, graute es mir schon sehr bei dem Gedanken, den Oktober vielleicht als Urlaubsmonat zu wählen. „Wer weiß, was im Herbst wieder auf uns zukommt. Lass uns lieber den sichereren Sommer wählen.” Also fehlt Spontaneität sogar bei der Planung (zwei Begriffe, die sonst ja eher gegensätzlich wirken). Die letzten Jahre lehrten uns eher „vorsichtige Vorfreude”.

Das klingt jetzt alles sehr nach „First World Problems” und das sind sie auch, ich weiß. Ich bin so dankbar, wenn wir überhaupt einen schönen Urlaub verbringen können. Und nach den letzten zwei Jahren zu Hause mit der Familie gemeinsam zu essen, ist natürlich auch wunderbar. Aber bitte jetzt kein Whataboutism. Es darf in unserer eigenen kleinen Welt auch um solche Themen gehen wie fehlende Leichtigkeit und Spontaneität. Vor allem nach einer Zeit, in der wohl kaum jemand mental „bei vollen Kräften” ist. Therapiesitzungen im Freundeskreis nicht mehr die Ausnahme bei ehrlichen Gesprächen untereinander, sondern die Regel sind.

Ich merke gerade, in einer Zeit, in der ich mich nach zwei Jahren des „Abkapselns” zurück ins Leben werfen will (und das mental auch so sehr brauche), dass mir diese Spontaneität so sehr fehlt. Und gerade diese Spontaneität so viel mit der vermissten Leichtigkeit zu tun hat. Auch mein geliebtes Planen hängt viel mehr mit spontaner Freiheit zusammen, als ich dachte. Denn oft kann man nicht „eben mal sehen, worauf man dann gerade Lust hat”. Oder muss auf einmal tausend Dinge einkalkulieren (möglichst nicht gerade dann in Quarantäne zu sein z.B.), an die man früher nie denken musste und deshalb viel „spontaner planen” konnte.

Fehlende Spontaneität und vermisste Leichtigkeit

Am Mittwoch war so ein schöner warmer Frühlingstag und ein erster recht spontaner Tag der letzten Zeit. Erst war ich in der Mittagspause mit meinem lieben Ex-GRAZIA-Kollegen Dennis (der übrigens auch tolle Fotos macht – siehe oben) in der Mittagspause spontan in Eimsbüttel unterwegs. Und das hat so viel Spaß gemacht (Dennis ist jetzt quasi unser Nachbar und wohnt aber dort schon viel länger).

Dann waren Jens und ich noch recht spontan (mittags entschieden und noch schnell online reserviert) in einem unserer Lieblingsrestaurants, das jetzt nach dem Umzug auch noch genau vor unserer Tür liegt. Für mich eine Riesen-Sache, wenn ich mal wieder so ehrlich bin. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in einem größeren Restaurant abends war (außer an meinem Geburtstag im Dezember). Es kam mir zwar noch immer nicht „normal und selbstverständlich” vor da abends im vollgepackten Restaurant zu sitzen. Aber es tat auch so gut, dass es endlich mal wieder ein spontanes „Wollen wir heute Abend essen gehen?” gab (wenn auch nur mental möglich durch drei Mal geimpft und genesen).

Ich freue mich so sehr auf den Tag, an dem die Spontaneität wieder so selbstverständlich sein wird, wie sie es früher einmal war. Wenn sie dabei helfen wird, die vermisste Leichtigkeit zurückzubringen. Vor allem mental.

Bild: Dennis Kayser


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