Life at 30: Sich selbst schön finden

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Vor kurzem war ich richtig schockiert. Bei Instagram sah ich eine Umfrage einer Kollegin. Sie fragte ihre Follower, ob sie sich selbst schön finden. Das Ergebnis? Niederschmetternd!

Mir ist vollkommen bewusst, dass wir Frauen kritisch mit unserem Aussehen umgehen. Was ich allerdings vor kurzem bei Instagram sah, schockierte mich dennoch sehr.

Eine Kollegin fragte ihre Follower (überwiegend Frauen), ob sie sich schön finden. Schon die Antwortmöglichkeiten waren eher heruntergebrochen formuliert. Es war in etwa so: „ja ganz zufrieden“ vs. „nein leider nicht“. Also nicht „finde mich mega“ vs. „finde mich hässlich“. Und dennoch stieg die Prozentzahl bei „nein leider nicht“ immer weiter und weiter.

Sich selbst schön finden: In Frauengesprächen eher „out“

Was mir im Alltag in den letzten Jahren schon auffiel: Wir konzentrieren uns in Gesprächen über unser Aussehen stark auf unsere Makel. Die eine Freundin findet ihre Nase etwas zu lang. Die andere die Oberschenkel etwas zu dick. In Gesprächen über unser Äußeres werden meist die eigens definierten Makel aufgezählt.

Ich bin zufrieden mit mir. Zähle meine Besenreiser nicht und besitze erst gar keinen Vergrößerungsspiegel, sondern versuche immer das große Ganze zu sehen. Aber dennoch erwischte mich in der Vergangenheit immer selbst dabei, in solchen Gesprächen meine kleinen Brüste hervorzuheben. Dabei habe ich mit denen eigentlich gar kein Problem. Sich selbst schön finden – das ist aber doch sowas von arrogant. Also müssen Makel präsentiert werden. Kurz überlegte ich sogar, ob ich das hier so schreiben kann. Ob es nicht super unsympathisch herüberkommt, wenn ich mit meinem Äußeren zufrieden bin. Wahnsinnig traurig, oder?

Dabei möchte ich an diese Kolumne über Selbstkritik erinnern. Drei Jahre alt und doch so aktuell, als hätte ich sie gestern geschrieben. Sie heißt: Sieh Dich doch mal, wie ich Dich sehe… Und der Titel sagt doch schon alles.

Sich selbst schön finden: Der Vergleich mit der Perfektion – mittlerweile sogar bei Instagram

Ich kann nicht sagen, wie es bei den Männern ist, aber wir Frauen vergleichen unser Äußeres oft. Konnte man sich früher noch einreden: Naja, die Victoria’s Secret Models im Magazin sind ja alle perfekt gestylt und gephotoshoppt, gibt es heute Instagram.

Da sehen wir scheinbar „ganz normale Frauen“, die aber absolut perfekt aussehen. Weil man sich natürlich nicht in den nicht so schönen Momenten filmen und fotografieren lässt. Und weil da der Schönheitswahn auch schon so um sich gegriffen hat, dass kaum noch Wimpern, Lippen oder Brüste echt sind. Diese Entwicklung finde ich mehr als schwierig.

Fällt wegen dieser Musterbeispiele zum Vergleich vielen das sich selbst schön finden so schwer? Ich bin von den Vergleichen auch nicht frei. Fühlte mich mit echten Wimpern und 5-Minuten-Make-up auf Event-Fotos neben anderen schon wie ungeschminkt in Jogginghose beim Gala-Dinner (trug natürlich aber keine Jogginghose und ein Gala-Dinner war’s auch nicht…). Und hätte auch gern immer einen so sonnengeküssten Teint wie Kolleginnen, die gefühlte 300 Tage im Jahr auf Reisen sind.

Was ich mir statt unserer ständigen Vergleiche wünschen würde? Dass wir uns im Ganzen betrachten würden und nicht als eine Ansammlung von uns (oder der Gesellschaft) definierter Makel.

„Mit 30 geht’s mit dem Aussehen bergab“ – das wurde mir schon oft gesagt. Aber ist es denn nicht nur so, wenn ich jede Falte am Augenwinkel als absoluten Makel sehe? Und was soll dieser Spruch überhaupt? Ich hoffe er soll nicht implizieren, dass wir mit Botox und Co. jeder Falte den Kampf ansagen müssen. Ich muss mit vierzig nicht aussehen wie mit zwanzig. Weil ich dann vierzig bin und nicht mehr zwanzig.

Stattdessen will ich es halten wie ich es von einigen Männern kenne. Da wird der Bierbauch eingezogen und der Bizeps angespannt. Dem Spiegel zugezwinkert. Das mit dem Aussehen? „Läuft doch“.

Bild: Sophie Wolter


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4 Kommentare

  • Christine

    19. Januar 2019 at 08:38

    Das ist echt so ein Thema, über das man öfter mal bewusst nachdenken und sich selbst ermahnen sollte. Man erwischt sich wirklich sehr oft dabei in Gesprächen, gerade mit Freundinnen, auf einmal nur noch die eigenen Makel zu sehen und aufzugreifen. Und dann wird einem ein Makel auch gerne mal „dramatischer“ bewusst als noch vor dem Gespräch…

    https://www.blog.christinepolz.com

    Antworten

  • Susan Fengler

    20. Januar 2019 at 09:56

    Liebe Christine, genau – das hast du so Recht. Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

    Antworten

  • Paula

    23. Januar 2019 at 11:07

    Liebe Susan,

    danke für deine ehrlichen Worte! Man sagt ja gerne Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber das gilt eben auch für den eigenen Blick.
    Ich finde wir Frauen sollten unseren eigenen Blick auf uns trainieren 🙂
    Liebe Grüße!

    Antworten

  • Susan Fengler

    28. Januar 2019 at 10:57

    Hi Paula, das hast du schön gesagt! Finde ich auch. Liebe Grüße

    Antworten

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