Life at 30: Krank zur Arbeit? Für mich nicht bewundernswert

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„Oh Du bist ja richtig erkältet. Toll wie Du Dich durchkämpfst.“ Warum ich zu diesen Worten, die ich diese Woche hörte, so einige Gedanken habe.

Ich war hier nur Beobachter bzw. Zuhörer und glücklicherweise nicht gemeint (klopfe mal eben auf den Holztisch… Moment!). Aber als ich das diese Woche auf einem beruflichen Termin mitbekam, schrie alles in mir „Och nöööö“.

So richtig krank zur Arbeit? Das wird häufig gelobt. Na, Mensch, toll, dass Du Dich nicht gleich krank schreiben lässt. Wie motiviert Du doch bist. Und wie sehr Du Dich für Deine Arbeit reinhängst.

Ja, sogar auf Kosten der eigenen Gesundheit (und der Deiner Kollegen). Warum ich krank zur Arbeit zu gehen nicht okay und schon gar nicht bewundernswert finde?

Krank zur Arbeit? Für mich kein Grund für Lobes-Hymnen

Vielleicht nervt mich diese Ansicht so sehr, weil ich selbst mal im absoluten Stress-Job einfach keine andere Möglichkeit sah, als mich – egal wie krank – zur Arbeit zur schleppen. Statt Gehaltserhöhung gibt’s dafür aber eher Nebenhöhlenentzündung. Lasst Euch das gesagt sein.

Wenn ich nicht da war, dann gab es keine Vertretung, die Sachen auffangen konnte. Dabei war ich da noch nicht selbständig. Und genau da krankt (haha schöne Wortwahl) doch das System. Wenn es in der Firma zur absoluten Katastrophe wird, wenn die eine Person ausfällt, dann sollte doch das Fazit daraus nicht sein, dass sich derjenige kaputt machen muss. Sondern, dass die Teamstruktur schnellstens überdacht werden sollte.

Es gibt natürlich auch die Kehrseite. Die Kollegen, die sich beim kleinsten Kratzen im Hals oder wenn eine stressige Phase droht sofort krank schreiben lassen. Eine Freundin hatte so eine Kollegin, die immer gleich für alles mehrere Wochen krank geschrieben war. Da wird man natürlich auch verrückt. Und ihr Chef konnte erstaunlich wenig gegen das ständige Krankmachen unternehmen. Das hat mich ziemlich überrascht.

Aber so richtig krank zur Arbeit zu gehen finde ich auf der anderen Seite auch unkollegial. Nicht nur, weil man die anderen ansteckt. Sondern auch, weil es oft so endet: Drei Tage krank ins Büro geschleppt und dann so richtig krank und man fällt gleich die gesamte nächste Woche aus (oder ist direkt nach einer Woche wieder krank und dieses Mal länger). Da doch lieber versuchen, es abzufangen und nicht zu verschleppen.

Und in der Selbständigkeit?

Glücklicherweise schaffe ich es jetzt oft dieses „Abfangen“. Weil ich achtsamer mit mir und meinem Körper umgehe. Aber wenn ich mich doch mal krank fühle, dann versuche ich alles so zu verschieben, wie es nur geht. Obwohl ich selbständig bin. Klar, eine Mail vom Sofa mit schniefender Nase ist drin. Aber selbst Kooperationsartikel lassen sich, wenn gar nichts mehr geht im Kopf, um eine paar Tage verschieben. Schließlich sind wir alle Menschen und jeder versteht, dass der Körper auch mal eine Pause braucht.

Also: Lieber auf den eigenen Körper achten und hören. Statt sich fürs vermeintliche „Durchpowern“ eine Medaille abholen zu wollen. Ich habe meine kranken Mitarbeiter immer nach Hause geschickt und nicht dafür belohnt, dass sie halbtot über der Tastatur hingen. Weil ich es bewundernswerter finde, wenn man seine Grenzen kennt, auf sich und andere achtet und dann wieder mit voller Power durchstarten kann, wenn es einem besser geht.

Wenn Ihr wirklich richtig krank seid, dann gönnt Euch eine Pause. Am Ende dankt es Euch niemand – auch nicht Euer Chef – wenn Ihr Euch körperlich fertig macht.

Bild: Dennis Kayser


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