Life at 30: Ich will nicht von Wochenende zu Wochenende leben

In: Life at 30
life at 30 Susan Fengler Kolumne

Und nein, das wird hier kein „Quit your job and travel the world“-Artikel. Mir geht es um den Alltag. Um kleinere Dinge. Ich will nicht von Wochenende zu Wochenende leben und von Urlaub zu Urlaub.

Klar, ich lache auch laut über die „Ich hasse Montage“-Memes. Und diese Comics sind irgendwie witzig, auf denen gezeigt wird, wie sich ein Männchen bis zum erlösenden Freitag durch die Woche schleppt und Montag ganz eindeutig der allermieseste Tag der miesen Tage ist. Nicht so witzig ist es, wenn das eigene Leben wirklich so aussieht.

Um die Sache mal ganz logisch anzugehen und nicht emotional: Das Wochenende hat zwei Tage. Der Rest der Woche fünf. Und bis 4-Tage-Wochen oder ähnliches etabliert sind, wird das auch erst einmal so bleiben. Selbst mit meinen begrenzten mathematischen Fähigkeiten fällt da auf: Das ist mehr als doppelt so viel Zeit. An dieser Stelle übrigens einen Gruß an meinen ehemaligen Mathelehrer Herrn D. aus der 10. Klasse, der mir höchst pädagogisch riet (während einer Null-Bock-auf-Mathe-Pubertäts-Phase) doch lieber das Gymnasium zu verlassen (Herr D., ich sage nur Abi 1,7 (und in Mathe nicht mal ein Unterkurs im Abi), Studium 1,2). Aber ich schweife ab…

Will ich den Großteil meiner Zeit „vor mich hinsiechen“ und warten, dass endlich Wochenende ist? Wenn man es so ausdrückt, würde jeder sagen: So ein Quatsch. Trotzdem kämpfen wir uns teilweise durch die Woche, manchmal sogar in Jobs, die richtig gehasst werden. Und schieben all das Schöne, all die Glücksmomente auf zwei Tage am Ende der Woche.

Life at 30: Ich will nicht von Wochenende zu Wochenende leben

Um mich selbst zu verwirklichen, habe ich mich vor etwa vier Jahren selbständig gemacht. Ich habe meinen alten Job nicht gehasst. Nicht, dass das wegen der Zeilen oben jetzt falsch aufgefasst wird. Aber er bot mir einfach nicht die Perspektive, die ich mir gewünscht hätte. Und ich sah so viel Potential in meinem Blog – und in mir. Dies jetzt jeden Tag ausschöpfen zu können, dafür bin ich so dankbar. Mir ist völlig bewusst, dass das vielleicht nicht jedem in jeder Lebenssituation möglich ist. Aber das meine ich gar nicht mal mit meinem von Wochenende zu Wochenende leben. Obwohl es natürlich schon schöner wäre (und hilfreich bei meinem Anliegen), seinen Job nicht völlig zu hassen. Ich meine vielmehr: dieses Aufschieben schöner Dinge. Alles in zwei Tage pressen.

„Wollen wir am Wochenende mit Freunden essen gehen?“ Wieso nicht einfach mal am Mittwochabend? Bis wir mit Arzt-Diensten, Geschäftsreisen und Freizeitterminen einen freien Abend am Wochenende gefunden hatten, war teilweise fast ein halbes Jahr vergangen. Und das ist keine Übertreibung, sondern Realität. Weil die Wochenenden immer so gnadenlos vollgepackt sind. Wir hatten diese Woche Mittwoch so einen schönen Abend mit Freunden. Und das tat sowas von gut. So gut, dass wir den nächsten Termin – einen Dienstagabend – schon fest in den Kalender eingetragen haben. Warum müssen wir uns immer an einem Samstagabend oder Freitagabend verabreden? Ist ja nicht so als würde man wie mit 20 feiern gehen und bräuchte den nächsten Morgen unbedingt zum Ausschlafen und Ausnüchtern.

Ich versuche mir mit Lunch-Dates mit lieben Kolleginnen oder einem Sonnen-Spaziergang in der Mittagspause ganz allein auch unter der Woche richtig schöne Momente zu schaffen. Und abends auf der Yoga-Matte (nach einem vollgepackten Arbeitstag auch manchmal nur 20 Minuten einfach zu Hause im Wohnzimmer) Energie zu tanken.

Was ich gemerkt habe: Wenn ich meine Zeit unter der Woche aktiv für schöne Dinge nutze, dann ist das Wochenende auch gar nicht mehr so vollgepackt und ein Sonntag auch mal wirklich frei. Und ganz nebenbei nimmt das alles auch noch diese Sonntagabends-Depri-Stimmung. Schließlich gibt es Dienstagabend schon wieder ein Date mit Freunden, auf das wir uns freuen.

Bild: Sophie Wolter


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