Life at 30: Ich kann es mir nur selbst danken

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Diese Kolumne schreibe ich sehr spontan, weil mich Facebook gestern an ein Posting von vor sechs Jahren erinnerte. Ich nenne sie: Ich kann es mir nur selbst danken.

Eigentlich hatte ich kurz überlegt, diesen Artikel „Am Ende dankt es Dir keiner” zu nennen. Das war mein erster Impuls. Aber das stimmt so nicht. Denn ich habe es mir selbst gedankt. Und zwar sowas von.

Was ich meine?

Gestern Morgen nahm ich (jaja ich weiß es eigentlich besser) direkt nach dem Aufstehen mein iPhone in die Hand. Und als ich da Facebook öffnete (warum auch immer), da sah ich dieses schöne Bild, das Du gerade auch siehst. „Vor sechs Jahren” stand da. Zu sehen: leckere Muffins, Brownies, Blumen und ein Apfelkuchen. Abschied. Ein Abschied aus der Redaktion und gleichzeitig ein Abschied von meinem alten Leben.

Das klingt jetzt krass und mutig. Den festangestellten Job als Online-Redaktionsleitung kündigen und den Weg in die Selbständigkeit wagen. Aber es war in meinem Gefühl weniger mutig als einfach nötig.

Natürlich hatte ich zu dieser Zeit schon fünf Jahre lang nebenberuflich diesen Blog aufgebaut. Der Blog, der überhaupt erst Visitenkarte und Eintrittskarte für diesen Job gewesen war, wurde viel erfolgreicher als ich es damals erwartet hätte. Dennoch waren da natürlich viele, viele Unsicherheiten. Damals war Influencer Marketing ein ganz neuer Begriff. Blogger sein musste ich noch ständig erklären. Doch ich entschied mich für diesen Schritt und machte mich – zur Sicherheit – zunächst als Bloggerin und freie Online-Redakteurin selbständig.

Ich kann es mir nur selbst danken…

Es ist nicht so, dass mir der Abschied leicht fiel damals. Denn ich habe wahnsinnig tolle Freundinnen in der Redaktion kennengelernt. Mochte das Magazin, für das ich arbeitete sehr. Und auch die Arbeit an sich. Das Schreiben, das Konzeptionieren, die Arbeit mit Kunden. All das habe ich deshalb auch für meine Selbständigkeit gewählt.

Aber es ist auch immer nicht alles Gold, das glänzt. Und ich merkte, dass ich zuerst an meine Grenzen kam, mehr online entwickeln zu wollen. Ein wirkliches Team aufzubauen. Ich hatte Ideen, die ich leider nicht umsetzen konnte. Im Gegenteil: das Team schrumpfte, statt sich zu vergrößern. Irgendwann waren die Grenzen nicht mehr dort, wo ich meine Ideen nicht verwirklichen konnte, sondern es ging an meine persönlichen Grenzen. Alles allein schaffen. Nie abschalten. Immer kämpfen müssen, ohne Unterstützung in Aussicht.

Ich bin nicht einfach so gegangen damals. Wer mich kennt, weiß, dass das nicht meine Art ist. Ich suchte das Gespräch nicht nur einmal und versuchte alles. Doch schlussendlich bin ich Realistin und erkannte so: Die gewünschte Änderung wird nicht eintreten.

Da stand ich also mit meinen Freundinnen in meiner kleinen Küche. Und es wurden Kuchen für den Abschied in der Redaktion am nächsten Morgen gebacken. Ich lud alle ein. Und war kurz enttäuscht, als nicht alle wie erwartet erschienen. Aus diesem Gefühl kam wohl der Impuls von vorhin. „Am Ende dankt es Dir keiner”. Obwohl das auch unfair wäre, denn meine harte Arbeit wurde sehr wohl gesehen. Vielleicht nur nicht von allen. Was vielmehr hinter diesem Satz steckt ist: Es dankt Dir keiner, wenn Du Dich wegen des Jobs kaputt machst.

Denn zu dieser Zeit war ich wirklich „always on”. Sogar unbezahlt am Wochenende. War ständig erreichbar. Häufig noch am Schreibtisch als alle weg waren. Oder dann eben zu Hause am Laptop. Ging richtig an die Decke, als ein Kollege fragte, warum ich die Fashion Show am Sonntag nicht „kurz gepostet” hätte. Weil all das, was „kurz” und „mal eben” erscheint, wenn man allein ist eben „nie abschalten” bedeutet. Mir ging es nicht gut. Es war zu viel alles als „One-Woman-Show” aufrechterhalten zu wollen. Ich merkte es gesundheitlich. Und da war es nicht mutig, sondern einfach nötig, den Weg des Abschieds zu wählen.

Ich machte mich selbständig. Nahm nicht mehr ständig Magenmittel wegen Stress. Fing an Yoga zu machen. Das klingt alles sehr nach Mindfulness-Klischee, aber es war mein Weg. Yoga heißt ja nicht automatisch Räucherstäbchen und spirituelle Lieder singen. Für mich war es eher der Weg auch mal innerlich Ruhe bei mir finden zu können. Und der dauerte sehr lang.

Also nein, es wäre falsch gewesen, diese Kolumne „Am Ende dankt es Dir keiner” zu nennen. Denn ich danke es mir sowas von selbst. Dass ich mit einem Sprung, von dem ich damals beim Basketball nur hätte träumen können, aus dem Hamsterrad sprang. Merkte: Ich kann mein Leben selbst in die Hand nehmen. Und was auf der Visitenkarte steht ist einfach nur richtig unwichtig.

Erfolg definiert sich nicht über bekannte Job-Titel. Er definiert sich für mich darüber, dass ich mein Leben so lebe und gestalte, wie ich es wirklich will. Und dass das funktioniert.

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2 Kommentare

  • Annika

    25. März 2022 at 14:09

    DANKE für deine Ehrlichkeit
    DANKE für die Inspiration
    DANKE für deine Arbeit

    Antworten

  • Susan Fengler

    29. März 2022 at 12:37

    SEHR GERN liebe Annika 🙂 Danke Dir

    Antworten

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