Life at 30: Ich darf das verdammt noch mal so fühlen

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Immer dieses „aber andere”. Und immer dieses nicht Zulassen der eigenen Gefühle. Ich darf das verdammt noch mal so fühlen.

Egal ob nach außen oder in uns. So oft sprechen wir uns unsere Gefühle ab. Wir dürfen das doch so nicht äußern, denn anderen geht es doch viel schlechter als uns.

Weil ich Stressmanagement Trainerin bin, darf ich niemals gestresst sein. Und weil ich eine glückliche Ehe führe niemals allein.

Weil ich ein Kind habe, das ich mir so gewünscht habe, darf ich mich nicht nach Zeit für mich sehnen. Und weil so vieles in meinem Leben gut läuft, darf ich nie schlechte Tage haben.

Ich darf das verdammt noch mal so fühlen

Gerade höre ich genau das so oft (und sehe es oft auf Social Media). Dieses: Ich vermisse die Leichtigkeit. Vermisse meine Freunde. Oder oder oder. Aber immer sofort mit dem Nachsatz: Ja, ich weiß das sind meine Luxusprobleme. Ich muss doch dankbar sein, weil es anderen viel schlechter geht.

Natürlich stimmt das. Und es ist wichtig, dass man aus der eigenen Blase herausschaut. Nicht versinkt und alles einordnen kann. Aber ich habe es gerade so satt, dass wir uns nicht trauen, unsere Sehnsüchte zu äußern. Und nicht sagen, wenn es uns beschissen geht. Was habe ich denn für ein Recht wegen der Wohnungssituation zu weinen, die mir so sehr zusetzt? Schließlich habe ich eine tolle Familie, Freunde, einen super Job, der sogar die Pandemie gut überstanden hat. Also muss ich die Klappe halten und lächeln. Darf nicht verzweifelt und wütend sein.

Na klar, all die guten Dinge in unserem Leben, helfen uns auch ungemein und vor allem sich das alles bewusst zu machen. Dankbarkeit zu spüren. Und zu merken, was man alles Positives um sich hat.

Aber gleichzeitig will ich mir – und uns – auch erlauben, Negatives rauszulassen. Denn das tut auch so gut. Immer dieses Fake Smile. „Mir geht es gut und Dir?” Und abends heult jeder in sein Kissen. Ganz still und heimlich. Denn wir können doch bei all dem Guten im Leben nicht wirklich wegen dieser Kleinigkeit traurig/wütend/erschöpft sein. Das können wir doch nicht sagen oder zugeben.

Doch! Ich habe es so satt, dass jeder seine Fassade aufrecht erhält, nur weil man vor sich selbst und vor anderen nicht zugeben kann, dass einen gerade etwas fertig macht. Selbst wenn Dir die Sonne eigentlich aus dem Hintern scheint, darfst Du mal traurig sein. Oder sauer. Oder was Du eben gerade fühlst.

Du hast das Recht das zu äußern, was Du fühlst. Ohne Relativierung. Ohne Nebensatz. Einfach ein: Es geht mir gerade beschissen. Das bedeutet nicht: Alles ist beschissen. Auch nicht: Es wird für immer beschissen bleiben. Und auch nicht, dass es nicht vielen noch viel beschissener geht. Es ist einfach der Moment und der darf sein. Vor anderen und vor allem vor Dir selbst.

Bild: Sophie Wolter


2 Kommentare

  • Sarah

    4. Dezember 2020 at 10:05

    So wahre Worte! Danke für diese Kolumne. <3

    Antworten

  • Annika

    6. Dezember 2020 at 20:55

    Tief berührt, erleichtert und dankbar für diese Worte. Danke!

    Antworten

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