Life at 30: Gleich, nicht immer sofort (Sofortness)

In: Life at 30
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Sofortness? Was ist denn das für eine schwachsinnige Wortschöpfung. Das war mein erster Gedanke. Der zweite: Ist es vielleicht wirklich achtsam, wenn man aus dem Sofort ab und zu ein Gleich macht?

Früher habe ich meine Mutter mit dem Wort „gleich“ in den Wahnsinn getrieben. Zimmer aufräumen. Aus dem Internet gehen (ja, Ihr erinnert Euch vielleicht. Das Internet wurde an und wieder aus gemacht).

„Ja, Mama. Mach ich. Gleich.“ „Nein, Susan, nicht gleich, sondern sofort.“ Da ich allerdings kein all zu rebellischer Teenie war, lag mein gleich dann aber doch oft nicht wirklich weit in der Zukunft. Gut für die Nerven meiner Mutter.

Jetzt bin ich mit 31 wohl offiziell in dem Alter, in dem ich mich „erwachsen“ nennen kann. Gestern Abend haben mein Mann und ich den Fernseher pausiert, weil wir uns über eine Zahnzusatzversicherung unterhielten. Also das finde ich schon ziemlich erwachsen. Und in meinem Erwachsenenleben, da sehne ich mich manchmal nach dem Gleich von früher. Irgendwie muss doch gefühlt immer alles sofort sein. Gleich scheint nicht drin zu sein. Und das ist teilweise sehr anstrengend.

Heute leiden wir dank Digitalisierung unter Sofortness. Was das bedeutet?

Kennt Ihr das? Irgendwie hat man das Gefühl alles muss immer sofort sein. Du spürst den Druck. Die Mail muss schließlich möglichst sofort beantwortet werden und die private WhatsApp aber auch.

Vor kurzem kam mir da der Begriff Sofortness unter. Ein Wort, das von Journalist Peter Glaser und Kolumnist Sascha Lobo geprägt wurde. Über die Schönheit des deutsch-englischen Begriffs kann man streiten. Kommt mir nur sehr widerwillig über die Lippen. Aber die Bedeutung finde ich spannend:

Sofortness bezeichnet – aus einer Ungeduld nach einem extrem kurzen Reiz-Reaktions-Verhältnis – die heutige Erwartungshaltung, dass zunehmend „sofort“ der einzig akzeptable Zeitrahmen darstellt.

Die Zeitspanne zwischen Bedürfnis und Befriedigung wird immer kürzer. Das Phänomen wird auch „digitale Ungeduld“ genannt. Wir sind es immer mehr gewohnt, dass alles sofort passieren muss. Wenn wir etwas bestellen, dann wollen wir es eigentlich sofort haben. Und das alles geht auch in unseren Alltag über. Mails, Kommunikation bei sozialen Medien, die Verfügbarkeit von Waren beim Einkaufen. Alles am besten sofort.

Was aus diesem Sofort resultiert? Druck und Stress

Aus dieser Sofortness entsteht unheimlich viel Druck und Stress. Aber als ich darüber nachgedacht habe, fragte ich mich: Können wir aus sofort nicht zumindest ab und zu gleich machen?

Ich habe an mich selbst den Anspruch, berufliche Mails möglichst am selben Tag zu beantworten. Aber muss ich in der Einkaufschlange in der Mittagspause schnell die Mail auf dem iPhone tippen? Ehrlich gesagt: Nein. Und die private Nachricht von der Freundin kann auch mal kurz warten. Nicht ewig. Aber eben gleich statt sofort.

Und auch in vielen anderen Situationen, kann ich mir selbst mit einem Gleich den Stress nehmen. Wisst Ihr, was mir dabei auffällt? Damals kam es mir viel leichter über die Lippen als heute. Spricht vielleicht doch für dieses Erwachsensein…

Bild: Sophie Wolter


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