Life at 30: Die Sache mit der Kontrolle

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Ich sag es wie es ist: Ich bin jemand, der gern alles unter Kontrolle hat. Aber das ist gerade so eine Sache – privat, aber auch vor allem beruflich.

Es gibt da diesen Begriff „Alpha”, der wahrscheinlich zwar erst einmal Bilder von Businessmännern in Anzügen hervorruft, aber eigentlich genderübergreifend einen „Alpha Menschen” beschreibt. Bedeutet: Wenn Du so jemand bist, dann hast Du gern die Kontrolle. Scheust Dich nicht davor Verantwortung zu übernehmen. „Menschen der Tat” ist auch so eine Umschreibung. Und so jemand bin ich.

Ich bin (hoffentlich – zumindest sehe ich mich nicht so) nicht der ultimative Egoist, was bei dem Begriff immer mitschwingt. Aber ich habe gern alles unter Kontrolle. Scheue mich nicht, meine Meinung zu sagen oder Dinge selbst anzugehen. Plane gern und versuche alles zu organisieren. Kontrolle ist ja ein psychisches Grundbedürfnis. Aber gerade tue ich mir etwas schwer damit.

Denn das mit der Kontrolle über alles haben, das war im letzten Jahr so eine Sache. Schließlich lässt sich eine weltweite Krise auch im privaten Umfeld nicht kontrollieren. Und unser Wohnungshorror ebensowenig. So schwer jemandem wie mir das fiel und immer noch fällt. Aber aktuell merke ich es vor allem beruflich.

Da ist die Sache mit der Kontrolle im beruflichen Kontext. Ich sage nur: Instagram

Gerade habe ich aber wieder an beruflicher Stelle mit dem Kontrollverlust zu kämpfen. Und das ist sowas von frustrierend. Denn natürlich ist neben dem Blog Instagram ein wichtiger beruflicher Kanal für mich. Doch wird es hier immer schwieriger, Euch zu erreichen.

Denn gerade diese Woche (als sich neben mir alle legal arbeitenden Kolleg*innen mal wieder fragten, was da mit der Reichweite los ist) wurde verkündet: Instagram ist keine Foto-App mehr. Es geht um Entertainment und vor allem um eins: Video.

Gerade würde auch getestet werden, wie es ankommt, wenn wir im Feed nicht nur den Content sehen, dem wir aktiv folgen. Noch mehr Konkurrenz. Weniger Reichweite. Weniger Kontrolle.

Eine Kollegin hat es diese Woche mit sehr ähnlichem Bild-Content verdeutlicht, dass es nicht – wie gern gesagt wird – auf das Bild ankommt, das die Follower lieben. Denn ein sehr ähnliches bekam einfach in der einen Woche ein Drittel der Reichweite. Das habe ich auch schon so oft erlebt. Früher hatte ich noch das Gefühl der Kontrolle dort: Wenn ich das (was Euch häufig interessiert) zu dieser Zeit poste, dann sehen es möglichst viele von Euch. Das ist heute nicht mehr gegeben.

Die Lösung? Laut Instagram: Video statt Foto. Aber auch hier ist es schwierig mit der Kontrolle. Das eine Reel bekommt zig tausend Views. Das andere nach dem selben Konzept wird kaum gesehen.

Nun mache ich natürlich gern das ein oder andere Social Video. Gebe Euch Less Stress Tipps oder zeige etwas von meinem Alltag. Aber zu meinem Life at 30 passte eben diese „Foto-App” auch einfach sehr gut (und auch zu meiner Zielgruppe). Und würde ich gern 24/7 Quatsch-Videos machen, dann wäre ich bei TikTok aktiv. Oder hätte mich nicht vor Jahren dagegen entschieden YouTube zu machen.

Genau deshalb preise ich (und viele meiner Kolleginnen) seit Jahren immer noch den Blog an. Weil ich hier die Kontrolle habe – auch für die Kunden, denn ich kann sagen: Der Artikel wird genau mit den Links zu Euch noch jahrelang aufrufbar sein und über Google zu finden. Aber dennoch wird Instagram so sehr gefordert und ist auch immer Teil jeder Blogbuchung.

Bei Instagram muss ich mich jetzt aber neu finden. Ein Videoformat erstellen, das mir liegt und Euch interessiert. Kann nichts gegen die Veränderungen tun. Habe vieles nicht in meiner Hand. Die eine Woche läuft etwas super und Ihr seht alles zahlreich. In der nächsten auf einmal ein Tief, das von mir nicht kontrolliert werden kann. Das fällt mir schwer.

Zumal es seit Jahren so frustrierend ist zu sehen, dass scheinbar so viele Kolleginnen (selbst die, bei denen man es nie denken würde) nicht von der Reichweiten-Frustration betroffen sind, weil pünktlich nach 5 Minuten immer die gekauften „Like-Blöcke” kommen und die gekauften Follower teilweise so auffällig dazu kommen, wenn man nur einmal genau hinsieht. Kunden und Agenturen verschließen die Augen. Das kann ich normalerweise gut verdrängen (obwohl ich zu gern mal eine Leaks-Seite dazu erstellen würde innerlich), aber manchmal fällt es auch schwer, denn es ist nunmal alles ein Business. So sehr will ich aber dann doch nicht die Kontrolle, dass ich dafür meine eigenen Werte verrate. Dann mache ich in ein paar Jahren lieber etwas völlig anderes, als mich nicht mehr im Spiegel anschauen zu können.

Warum ich das alles auch schreibe?

Damit Ihr wisst, dass die Online-Selbständigkeit nicht immer nur Regenbogen und rosa Wolken ist. Aber auch, dass ich, um weiter dort so viel kostenlosen Content für Euch erstellen zu können und immer mehr Zeit darin zu investieren auch zukünftig, Euren Support brauche. Noch mehr auf Euer Feedback angewiesen bin, bei all den Veränderungen. Jedes Like und jeder Kommentar noch viel wichtiger ist, weil es mir zeigt, dass ich in etwas so viel Energie reinstecken soll (und in welche Inhalte genau).

Ein weiterer Teil meiner persönlichen Lösung? Ein Herzensprojekt, zu dem ich Euch nächste Woche endlich mehr erzählen kann. Ob es gut wird, das liegt da gerade in meiner Hand. Und ob Ihr es mögt und kaufen werdet, dann in Eurer.

Bild: Dennis Kayser


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