Mach es (einfach) allein.

In: Life beyond 30
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Vier Tage frei im Kalender. Und dann bin ich von einem Tag auf den andern einfach ans Meer gefahren. Ganz allein. Nur für mich. War allein abends im Restaurant und habe in diesem Neuanfang mit 38 in den Tagen so richtig zu mir gefunden. Mach es (einfach) allein!

Warum ich bei „Mach es (einfach) allein” das „einfach” in Klammern gesetzt habe? Weil es oft gar nicht so einfach ist, sich zu überwinden etwas einfach mal eben zu machen. Und dann auch noch allein. In meiner Ehe hatte ich auch viele Tage allein in Hamburg und habe mich an einigen Wochenenden ganz schön einsam gefühlt. Niemand hatte Zeit.

Mit Ende 30 sind die Lebensrealitäten teilweise richtig unterschiedlich. Einige meiner engsten Freundinnen haben mittlerweile 1-2 Kleinkinder und sind „rausgezogen” in Häuser. Ich habe nicht nur kein Kind (und hatte noch nie einen Kinderwunsch), sondern bin jetzt ganz neu seit 18 Jahren wieder Single.

In den letzten Jahren (trotz Ehe) fühlte ich mich oft einsam. Saß allein in dieser riesigen Traum-Maisonette-Wohnung und hatte so Sehnsucht nach Verbindung. Nach einfach vorbeikommen. Nach einfach abends auf der Couch zusammen sitzen mit Freundinnen. Nach… naja… nach einfach alles einfach. Und nicht so kompliziert mit ständigem „Wann sehen wir uns?” und dann werden Terminkalender gecheckt und es vergehen nach jedem schönen Treffen Wochen oder sogar Monate.

Seit meinem „starting over at 38″ priorisiere ich Verbindung. Habe plötzlich so viele neue Frauen um mich. Wie ich in meinem Buch schreibe: Manchmal brauchst du in deiner Lebensphase auch Frauen, die gerade ähnliches erleben. Ich merke wie glücklich es mich macht, so viele neue und alte Freundinnen um mich zu haben. Muss mich manchmal fast kneifen, dass das gerade wirklich so einfach. Endlich. Aber ich warte auch nicht mehr nur drauf, dass sich jemand bei mir meldet. Prio Verbindung.

Ich warte nicht mehr… Mach es (einfach) allein

Ich warte aber allgemein nicht mehr. Bin viel spontaner geworden. Mache es einfach allein. Und witzigerweise ergeben sich genau dann trotzdem Momente mit anderen. Gerade dann. Als ich ans Meer fuhr, hatte plötzlich meine neue Freundin einen beruflichen Termin in Lübeck und konnte den Nachmittag mit mir am Timmendorfer Strand verbringen. Catharina, die ich noch gar nicht kannte, schrieb mir, dass sie gern einen Tee trinken würde, sie sei Pilates-Trainerin in Timmendorf und wir hätten viel gemeinsam.

In meinem Strandkorb saß ich ganz allein und nach einem Kloß im Hals, weil an die Ostsee fahren oft „unser Ding” war, genoß ich es so sehr einfach in meiner Zeit alles zu machen. Einfach zu lesen. So lange am Strand und abends im Meer bleiben wie ich wollte.

Ein absolutes Highlight: Abends allein essen gehen im Restaurant. Mit mir (glutenfrei) oft etwas kompliziert auf Reisen. Und plötzlich war das schlechte Gewissen weg. Der Druck, mich schnell für ein Restaurant zu entscheiden. Nicht so kompliziert zu sein. Ich schlenderte. Schaute auf Karten. Entschied mich ganz in Ruhe. Und hatte die entspanntesten Dinner mit meinem Buch und Fokus auf dem Essen. Aber auch die witzigsten Gespräche und Spontanbegegnungen.

Berufliche Reisen mache ich schon mein halbes Leben viel allein. Vor dem Termin Madrid erkunden und abends spontan mit der Frau, die ein Foto von mir machte, Tapas essen. Überall ins Gespräch kommen, weil du nicht in einem Kokon bist. Trotzdem vergesse ich es manchmal. Gerade, wenn ich es selbst organisieren muss. Warte darauf, dass jemand Zeit haben muss, um etwas zu unternehmen.

Mach es einfach allein. Du findest nicht nur zu dir selbst, sondern erlebst ganz anders. Und allein sein ist etwas völlig anderes als einsam.


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