Von „Aber warum wollt ihr keine Kinder?“ zu „Ein Glück, dass ihr keine Kinder habt!“

In: Life beyond 30
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Ich bin eine Frau ohne Kinderwunsch. Nicht, weil ich ihn aufgeben musste, sondern, weil ich ihn noch nie hatte. Gerade in meinem Neuanfang mit 38 ändert sich die Bewertung von außen aber drastisch. 

In einer Gesellschaft, in der wir angeblich (!) alles sein können, alles haben und alles werden können, da ist das ein Affront. Dass ich es nicht einmal versuchen wollte. Einfach nicht Mutter werden will. Andere Träume für mein Leben habe. Andere Pläne. Dadurch aber auch: anders bin. Scheinbar.

Nach der Hochzeit war die Verwunderung groß, dass ich nicht den Traum einiger meiner liebsten Freundinnen träumte. Ein, zwei Kinder. Rausziehen. Haus. Garten. Ich freute mich mit ihnen. Für mich selbst sah ich diese Rolle einfach nicht. Mutter sein. Das war noch nie meine Sehnsucht.

Ich musste mir sogar (auf Instagram und vor allem im Internet) anhören, dass ich unserer Gesellschaft nichts zurückgeben würde. Keinen Anspruch auf Rente hätte (was nicht einmal Sinn ergibt in der Rechnung) oder sich im Alter niemand um mich kümmern würde. Du musst einiges einstecken, wenn du als Frau nicht dem „typischen Bild“ entsprichst und offen über deinen individuellen Lebensentwurf sprichst. Bei den Männern habe ich noch nie gehört, dass jemandem gedroht wurde, ihm im Alter wegen Kinderlosigkeit die Mittel streichen zu wollen. 

„Aber warum wollt ihr keine Kinder?“

Darauf antworte ich nicht einmal mit dem Argument, dass unsere Welt brennt (irgendwann mit Klimawandel wahrscheinlich wortwörtlich). Wenn ich ganz ehrlich bin, wäre das in meinem Fall nur vorgeschoben. Ich liebe die Kids meiner Freundinnen. Aber ich wollte einfach nie ein eigenes. Nein, auch nicht, wenn ich die Babys „mit diesem ganz besonderen Babyduft” auf dem Arm hielt. 

Wenn du dich dann mit Ende 30 trennst, dann ist das natürlich eine Erleichterung keine Kinder zu haben. Ohne Frage. Habe ich auch schon so formuliert, dass es schon zu zweit schwer genug ist alles. Verwobene Leben wieder auseinander zu ziehen. Unglaublich anstrengend. Und ich mir nicht ausmalen kann, wie schwer es als Eltern sein muss, diesen Schritt zu gehen. 

Trotzdem liegt gefühlt nur einmal blinzeln zwischen „Aber warum wollt ihr keine Kinder?“ und „Ein Glück, dass ihr keine Kinder habt!“ Und das fühlt sich so richtig eigenartig an, je länger ich darüber nachdenke.

Bild: Sophie Wolter


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