Weekly Update: Von innerer Wut und Machtlosigkeit

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Eigentlich dachte ich, dieser Wochenrückblick würde vorwiegend aus einer Fashion Week Recap bestehen. Stattdessen muss ich heute etwas loswerden. Es geht um Machtlosigkeit.

Während in Berlin auf der Fashion Week Smalltalk gehalten wurde und lächelnd posiert, brannten in Hamburg die Straßen. Nein, das ist leider keine Metapher. Was das alles in der letzten Woche teilweise auch unterbewusst mit mir gemacht hat?

Außen das Lächeln – innen die Wut und Machtlosigkeit

Als ich am Freitag in den Zug gestiegen bin, da war ich ziemlich fertig. Nicht nur weil er wegen G20 sogar in Richtung Heidelberg zu meinen Eltern Verspätung hatte. Und auch nicht, weil ich in Berlin so viel gefeiert hätte (habe ich nämlich kein einziges Mal). Sondern weil ich einfach mental so ausgelaugt war.

Morgens habe ich vor den vielen beruflichen Terminen die Nachrichten angemacht. Brennende Autos auf der Elbchaussee. Was ist das für eine Art der Demonstration? In meinen Augen die völlig Falsche. Kann ich dagegen eine friedliche Demo gegen G20 verstehen? Voll und ganz.

Einen G20 Gipfel mitten in Hamburg auszurichten. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, kam mir als erstes das Wort „Schnapsidee“ in den Kopf. Leider wurde es letzte Woche Realität, war keine fixe Idee am Politikerstammtisch bei einem Bier zu viel. Konnte man den Politikern vorher sagen, dass das eine richtig bescheuerte Idee ist? Schon – aber es führte natürlich zu nichts.

Ich fühle mich einfach so machtlos….

Und während ich da in den letzten Tagen so in Berlin stand und lächelte, brodelte es innerlich in mir. Was ich wirklich hasse? Machtlosigkeit! Und gerade fühle ich mich jedes einzige Mal machtlos, wenn ich die Nachrichten anschalte. Klar, bei uns kann ich wählen – aber die Wahl des mächtigsten Mannes der Welt in meiner gefühlten zweiten Heimat kann ich auch Monate später nicht begreifen. Da sitzen bei G20 auf einmal in meinen Augen gefährliche Männer an einem Tisch.

Ich bin kein Mensch der sonderlich viel Angst hat. Kann Ängste im Alltag auch sehr gut verdrängen. Kann verdrängen, dass für unsere Generation furchtbarerweise Terrorismus alltäglich geworden ist. Aber manchmal wird mir alles einfach zu viel. So wie an dem Freitag im Zug. ich habe einen Kloß im Hals und will die Realität am liebsten ausblenden.

Aber diese Woche habe ich gemerkt: Selbst mit Smalltalk und Lächeln – der Kloß ist immer noch da. Und die Realität lässt sich noch nicht mal so lange ausblenden wie der Smalltalk andauert.

Bild: Jennifer März



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