Die neue Unverbindlichkeit

In: Lifestyle
Unverbindlichkeit

„Kann ich Dir wegen unseres Dates auch am selben Tag noch Bescheid geben, oder fünf Minuten vorher absagen?” Klar, doch… Unverbindlichkeit liegt doch im Trend.

Ich bin ein ziemlich verbindlicher Mensch. Dafür steht wohl schon der Verlobungsring an meiner linken Hand. Was mich deshalb tierisch nervt? Ich nenne es mal: Die neue Unverbindlichkeit.

Okay, ich muss an dieser Stelle auch selbstkritisch sein. Ich liebe es zu planen. Manchmal könnte ich spontaner sein. Am liebsten will ich am Dienstag schon wissen, wie mein Wochenende aussieht. Das Artikelschreiben plane ich genau so in meinen Tag ein wie das Business Lunch und den Mädelsabend. Vielleicht fällt mir deswegen dieses neue „Komm ich heut nicht, komm ich eben morgen”-Mantra besonders auf. Ich denk mir dann: Ist doch gar nicht so schwer, wenn man sich wirklich treffen will.

Unverbindlichkeit nicht mit Flexibilität verwechseln

Versteht mich nicht falsch. Flexibel muss man heutzutag sein. Deswegen finde ich es auch völlig okay, zu fragen, ob man das Lunch nicht eine Stunde nach hinten verschieben kann. Oder spontan die Location zu ändern, damit es besser in den Workflow passt. Aber gar nicht absagen? Oder eine halbe Stunde vorher? Für mich ein No-Go.

Lustigerweise sind es meist die Bekannten, die dauernd betonen, dass man sich doch viel häufiger sehen sollte. Dann beginnt das Planungsrennen. Kann man sich ungefähr so wie Fangen spielen auf dem Schulhof vorstellen. „Kannst du am 12.?” „Ja, glaube schon. Ich gebe dir Bescheid.” Dann hört man erstmal: nichts. Am 10. fragt man vorsichtig: „Was ist denn jetzt mit Übermorgen?” „Achso, ganz vergessen. Ja, das sollte passen. Wegen der Uhrzeit muss ich nochmal schauen.” Am 12. dann eine WhatsApp: „Geht 13 Uhr?” „Ja, oder warte besser 14 Uhr. Oder geht bei Dir auch nächste Woche?” – Ganz schön anstrengend…

Was ich daraus lerne? Spontanität! Damit ich durch mein „Planen-wollen-aber-klappt-dann-doch-nicht” nicht völlig verrückt werde, lasse ich solche Dates einfach auf mich zukommen. Wenn ich dann nicht kann, sage ich einfach: „Oder geht auch nächste Woche?”.

Pic: Dennis Kayser



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